Serie: Bergmannsheil war bei Gründung weltweit erstes Unfallkrankenhaus
BOCHUM Mit der Industrialisierung des Bergbaus stieg die Zahl der Grubenunglücke und Arbeitsunfälle unter den vergrößerten Belegschaften stark an. In den 1880er Jahren wurde der Bedarf nach einer speziellen Versorgung der zahlreichen Unfallopfer immer dringender.
Nicht nur die Altbauten, auch die meisten Nachkriegsgebäude auf diesem Luftbild von 1961 sind heute wieder verschwunden.
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Ein Standort in der Mitte des Reviers wurde auf dem noch wenig bebauten Hunscheidtsfeld in Wiemelhausen gefunden. Das Krankenhaus erhielt den Namen "Bergmannsheil", nahm sich aber bald auch der Allgemeinversorgung der Bevölkerung an.
Frühzeit der Klinik
Architekt der Gründungsbauten war Heinrich Schwenger (1840-1906), der das Hauptgebäude (Haus A) an der Hattinger Straße 1888-90 errichtete. Schon kurz darauf folgte mit Haus B die erste Erweiterung (1892-1905).
Diese Frühzeit der Klinik ist auf der Ansichtskarte von 1906 mit Blick über die Hattinger Straße, wo damals die Zufahrt lag, zu sehen: rechts das Haus A, dessen Haupteingang von einem Giebel und Türmchen bekrönt ist, links das niedrigere Haus B. Davor befindet sich ein Pförtnerhaus, das wohl ebenfalls von Schwenger geplant wurde.
Der Planer
1900-08 entstanden die Häuser C, D und E, welche von Heinrich Schmiedeknecht (1880-1962), der nach Schwengers Tod dessen Büro übernommen hatte, vollendet wurden. Er sollte auch in den folgenden Jahren für das Bergmannsheil planen. Am wichtigsten war seine Innere Medizinische Klinik, die 1928-29 in modernen Formen an der Ecke Hunscheidt- und Friederikastraße erbaut wurde.
Der Zweite Weltkrieg brachte die umfassende Zerstörung des Krankenhauses, nur Schmiedeknechts Gebäude war weniger stark beschädigt, so dass sein Wiederaufbau noch möglich war. Ansonsten kam es 1947-52 zu einer vollständigen Neuplanung unter Hermann Wewers.
Guter Überblick
Einen guten Überblick über das Nachkriegs-Krankenhaus bietet die Postkarte mit dem Luftbild von 1961. Wewers verlegte die Zufahrt von der verkehrsreichen Hattinger Straße (links) an die ruhigere Hunscheidtstraße in der Bildmitte. Am auffälligsten sind die beiden lang gestreckten und abgewinkelten Bettenhäuser III (links), und II (Mitte).
Rechts ist der wieder aufgebaute markante Dreiflügelbau von Schmiedeknecht zu sehen. Er wurde 1987 abgerissen, wie überhaupt kaum eines der Gebäude auf dem Luftbild heute noch existiert, denn seit den 1980er Jahren ist eine ganze Reihe von Neubauten entstanden. Nach dem Bettenhaus 1 von 1984-87 folgte u. a. die Verlegung des Eingangs an die Gilsingstraße im Zuge der Errichtung eines Service-Centers mit Parkhaus (1997-2000) und vor allem das Bettenhaus 3 (2003-06) mit acht Geschossen, 253 Betten und zwei Hubschrauber-Landeplätzen auf dem Dach.
Teilabriss
Dieser Neubau prägt auch das aktuelle Foto, das sich an der Karte von 1906 orientiert. Momentan befindet sich genau dort, wo vor dem Krieg der Eingang zum Bergmannsheil lag, ein Mauerdurchbruch für eine Baustellen-Zufahrt. Nach Plänen des Architekturbüros Ludes, das die Neubauten der vergangenen 25 Jahre errichtet hat, entsteht bis 2015 ein weiterer Funktions- und Bettentrakt für 100 Millionen Euro.
Das Bettenhaus III wurde 2007 abgebrochen, 2010/11 kam es zum Teilabriss des Hauses II, dessen Rest bald folgen wird. Im Vergleich zu anderen Bauaufgaben sind Kliniken besonders stark von einem stetigen Wandel geprägt. So wurden auch am St. Elisabeth-Hospital, dem Augusta-Krankenhaus und dem St. Josef-Hospital in den vergangenen Jahren mehrfach Neubauten errichtet. Doch während sich bei diesen drei Kliniken immer noch Reste aus den ältesten Bauphasen finden lassen, ist das Bergmannsheil das Bochumer Krankenhaus, dessen Gesicht sich am radikalsten gewandelt hat.

























