Ein neues Leben: Martin-Luther-Krankenhaus setzt auf Adipositas-Chirurgie
BOCHUM Gemeinsam bringen Michael Vollmer und Torsten Schmidt mehr als 300 Kilo auf die Waage. Noch. Denn: Schmidt ließ sich einen Schlauchmagen legen, Vollmer einen Magenbybass. Es waren die beiden ersten Adipositas-Operationen am Wattenscheider Martin-Luther-Krankenhaus (MLK). Und sie zeigen erste Wirkung.
Dr. Martin Lainka, Andrea Wiemers, Michael Vollmer, Torsten Schmidt, Dr. Joachim Kropff (v.l.) stellten den neuen Schwerpunkt der Adipositas-Chirurgie vor. (Foto: Claudia Staudt)
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Vielzahl von Nebenerkrankungen
Andrea Wiemers weiß, wovon Vollmer redet. Sie leitet die Selbsthilfegruppe Adipositas, die am MLK angesiedelt ist. Früher wog sie 160 Kilo. Vor vier Jahren legte sie sich ebenfalls unters Messer. Seitdem hat sie 60 Kilo abgenommen. Sie sagt: „Wer zu uns in die Selbsthilfegruppe kommt, der hat alles ausprobiert, alle Diäten gemacht.“
Was viele nicht wissen: „Adipositas ist eine Krankheit“, sagt Dr. Martin Lainka, Chefarzt der Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie. Wiemers sagt: „Wir reden hier nicht von Menschen, die ein bisschen pummelig sind und sich eine Bikini-Figur wünschen.“ Vielmehr, so betont Dr. Lainka, gehe es um Menschen, die unter einer Vielzahl von Nebenerkrankungen leiden. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gelenkverschleiß, Diabetes – all das kann durch die Adipositas-Chirurgie verbessert werden. „80 Prozent der Diabetes-Patienten können durch einen solchen Eingriff von ihren Medikamenten befreit werden.“
Die Kasse zahlte
„Mein Vater ist vor zwei Jahren an einer Herzkrankheit gestorben“, erzählt Vollmer. „Ich selber hatte auch Probleme mit dem Herzen. Da wurde mir klar, dass was passieren muss.“ Erst im Dezember reichte er den 67 Seiten umfassenden Antrag bei seiner Krankenkasse ein, bereits im Januar bekam er einen positiven Bescheid. So schnell ging es bei Schmidt nicht.
Bereits vor fünf Jahren beantragte er zum ersten Mal eine OP – und scheiterte. „Es müssen viele Faktoren stimmen, damit die Kasse den Eingriff zahlt“, sagt Lainka: Ein BMI (Body-Mass-Index) über 30 oder 40, mehrere Begleiterkrankungen und der Nachweis, dass alternative Wege keinen Erfolg gebracht haben. Torsten Schmidt ist froh, dass seine jahrelange Odyssee nun ein Ende hat: „Ich freue mich, dass ich ein neues Leben anfangen kann.“


























