Bürgerforum: Eine Stadt fragt ihre Bürger
BOCHUM Zum ersten Mal hat sich die Stadtspitze in der Spardebatte direkt an die Bürger gewandt und sie um ihre Meinung und Ideen gebeten. Ein neuer Weg für Bochum. Ein Weg, der nicht gerade und perfekt verlief – den es sich aber lohnt auszubauen.
Bürgerkonferenz im Ruhr-Congress: Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz (r.) unterhält sich mit Teilnehmern. (Foto Lutz Leitmann / Stadt Bochum)
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Gewerkschaften und Interessenvertretungen
Politisch wurde es trotzdem im Ruhr-Congress. Denn ein Großteil der Bürger beim Bürgerforum war mehr – sie waren Gewerkschafter, Naturschützer oder Mitglieder einer Interessenvertretung. Sie kamen mit klaren Vorstellungen und Forderungen. Dies schlug sich teilweise in den Arbeitsgruppen aber auch im Plenum nieder. Doch obwohl einige Kritiker besonders häufig, besonders kritisch und besonders laut das Wort ergriffen – und stets betonten, wie wenig sie von dieser Veranstaltung halten – zeigte sich die Mehrheit der Teilnehmer positiv überrascht vom ersten Bürgerforum.
„Die Anregungen und Meinungen der Bürger werden in den Haushaltsberatungen bedacht – und das sehr verantwortlich und ernsthaft“, versprach Scholz nach fünf Stunden Bürgerforum. Sie räumte ein, dies sei nur ein erster Schritt gewesen, „der sich noch verbessern lässt“.
Zu lange Einführung
Kritik gab es an den zu langen Einführungsvorträgen, die sich teilweise in den in den Arbeitsgruppen wiederholten. Die Bürger waren gekommen, um zu diskutieren, um kritisch nachzufragen. Die meisten, sowohl aufseiten der Bürger als auch aufseiten der Stadtverwaltung, ließen sich daher in den Arbeitsgruppen auf einen intensiven Gedankenaustausch ein. „Ich glaube wir können Lösungen für unsere Stadt finden“, gab sich Scholz optimistisch. „Aber ich mache mir auch keine Illusionen: Es wird Gruppierungen geben, die sagen ‚mit mir nicht‘“. Sie versprach, weiterhin mehr Bürgerbeteiligung zu wagen.
Bürgerlobbyist
Ein Thema, dem eine extra Arbeitsgruppe gewidmet war. Und die unter anderem den interessanten Vorschlag eines „Bürgerlobbyisten“ gebar. Einen Menschen, der sich innerhalb der Stadtverwaltung und in den politischen Gremien für die Bürger starkmacht und als eine Art Dolmetscher funktioniert. Denn zu häufig reden die Stadt und ihre Bürger aneinander vorbei. Der Samstag war ein erster Versuch, diesem Missstand entgegenzuwirken. Weitere müssen nun folgen.

























