Zeltfestival Ruhr: Französische Newcomerin Zaz beweist Spielfreude
BOCHUM / WITTEN Sie ist mehr als eine Kopie der französischen Sängerin Edith Piaf: Newcomerin Zaz begeisterte am Samstag das Publikum auf dem Zeltfestival Ruhr. Sie spielte abwechslungsreich und bot Unerwartetes.
Die französische Sängerin Zaz beim Zeltfestival Ruhr. (Foto: Caroline Lindekamp)
- Arbeitsunfall beim Bochumer Verein 24-Jähriger in Transportwagen eingeklemmt
- Steven Sloane machte die Jahrhunderthalle zur doppelten Kathedrale Brücken von Bach nach Israel
- "Cyrano de Bergerac" Rohde hat die Nase vorn
- Bösch inszeniert "Die Ratten" Drama im Fantasie-Milieu
- Street-Artisten-Show Urbanatix trotzt der Schwerkraft
In ihren bunten Strumpfhosen, dem Piercing unterm Auge und dem locker geflochtenen Zopf erinnert sie mehr an Pippi Langstrumpf, ein freches, lebensfrohes Mädchen, das am Samstag das Bochumer Publikum ins Paris der 30er Jahre holte.
Jazz-Interpretation eines Piaf-Klassikers
„Schließt Eure Augen“, lässt sie übersetzen. „Es ist vier Uhr morgens, der Duft vom Bäcker mischt sich mit dem Gulligeruch, unter den Füßen spüren wir die Pflastersteine. Wir sind Kinder, das Leben ist nicht leicht, aber unsere Kreativität kann uns keiner nehmen.“ Sie singt „Dans ma rue“, eine jazzige Interpretation des Piaf-Klassikers, und beim Klang ihrer rauen, kräftigen Stimme zieht für einen Moment der Geruch von frischem Baguette durchs Zelt.
Fotostrecke Zaz beim Zeltfestival
Zaz geht wendig mit ihrem Gesang um, mischt Chanson mit Jazz, Soul und lateinamerikanischen Elementen.
Bevor sie „Le Chat“ anstimmt, miaut sie laut ins Mikrofon, tanzt ausgelassen über die Bühne. Sie ist charmant und witzig, wenn sie zwischen den Liedern mit der vierköpfigen Band scherzt, Grimassen für die Handykameras in den ersten Reihen zieht und etwa in „La fée“ durch die Faust gesungen eine Trompete imitiert.
Wandel auf der Bühne
Bei der Ballade „Éblouie par la nuit“ scheint auf einmal wieder eine andere Künstlerin auf der Bühne zu sein: Zaz sitzt auf einem Barhocker und singt in beeindruckend hoher Lage nur vom Piano begleitet.
Mit den gesanglichen Verzierungen klingen ihre Lieder live noch hübscher als auf dem Album. Kurz nachdem sie vor zwei Jahren den französischen Talentwettbewerb „Génèration Réservoir“ gewonnen hatte, hielt sich Zaz damit wochenlang in den Charts.
"Vergesst all Eure Klischees"
Doch neu auf der Bühne war sie nicht: Isabelle Geffroy, wie die 31-Jährige mit bürgerlichem Namen heißt, hat eine Gesangsausbildung abgeschlossen, sang jahrelang für ein Kabarett und, wenn es am Ende des Monats mal knapp wurde, auf den Straßen des Montmartre. „Vergesst all Eure Klischees! Herzlichen Willkommen in meiner Realität“, heißt es so auch in ihrem Hit „Je veux“.
Beim Konzert beginnt sie diesen dramatisch - im Rauch der Nebelmaschine mit tibetischen Klangschalen - stoppt auf einmal abrupt, verschwindet mit einem „Bonsoir“ von der Bühne als wäre das Konzert beendet, um nach einem verblüffenden Moment wieder richtig los zu legen. Immer bereit für Unerwartetes.
Wenn Zaz singt: „Je préfère Bochum à la mer.“ („Ich bin lieber in Bochum als am Meer.“), nimmt man ihr das bei all der Spielfreude tatsächlich ab.




























