Gefangen im Gefühlschaos: Emotionsgeladene Premiere von "Elektra"
BOCHUM Rache, Wahnsinn, vergiftete Gedanken. Kerstin Krugs Inszenierung von Hugo von Hofmannsthals „Elektra“ ist genauso aufwühlend wie die Situation der Protagonisten. Am Hofe zusammengepfercht fristen Elektra (Theresa Palfi), Chrysothemis (Isabelle Barth) und Klytämnestra (Lisa Balzer) ihr Dasein, psychisch voneinander abhängig und unauslöschlich miteinander verbunden.
"Elektra" in der gelungenen Inszenierung von Kerstin Krug feierte am Montagabend Premiere im Rottstraße5-Theater. (Foto: Sabine Michalak)
- Nachbergbauzeit Tagesbrüche: Langfristige Hilfe in Sicht
- Zurück in der Heimat Zwei-Jahres-Vertrag für "Funny" Heinemann
- Rettung Überfallopfer: Kassiererin (22) wieder wohlauf
- Westfalenliga 2: SW 08 Bayram Kollu wird zum Bayern-Fan
- Regionalliga West: Für die U23 des VfL Nur Sieg bringt Sicherheit
BVB-Fieber in Wembley und Dortmund: Wie ist die Stimmung bei den Fans in London? Was passiert in der Heimat? Mit uns verpassen Sie nichts: Unsere Reporter tickern rund um die Uhr und live vor Ort.Kerstin Krug inszenierte ihre Elektra am Montagabend im Rottstr5-Theater erfolgreich als blutrünstigen Rachedämon. Wie im Wahn bewegt sich Theresa Palfi über die Bühne, effektvoll untermalt von rotem oder weißem Licht. Kriechend, schreiend, Geister beschwörend zeigt sie das Bild einer jungen Frau, die im Leben nichts als den Tod kennen gelernt hat und nicht verzeihen kann. Hass ist ihre einzige Emotion.
Zerrissenes Wesen
Von ihrer Schwester Chrysothemis kann Elektra keinen seelischen Beistand erwarten. Souverän wird Isabelle Barth diesem gebrochenen Charakter gerecht. In abgerissenen Kleidern, sich vor jeder unvorhergesehenen Bewegung der Mutter wegduckend, mimt sie Chrysothemis als angsterfülltes, zerrissenes Wesen. Beeindruckend gelingt es Barth auf der anderen Seite, den kleinen Hoffnungsfunken in ihrem Charakter herauszuarbeiten: „Ehe ich sterbe, will ich auch leben. Kinder will ich haben.“
Die schrecklichen Schemen der Vergangenheit halten alle drei Frauen gefangen, machen es ihnen unmöglich, in der Gegenwart zu leben. Wie unterschiedlich ihre Lebensentwürfe sind, zeichnet auch das Bühnenbild gelungen nach.
Ein Porträt des Vaters
Im Hof hat sich Elektra eingerichtet, allein mit sich, ein wenig Krimskrams, dem Porträt ihres Vater und ihrem größten Schatz: das Beil, mit dem Agamemnon erschlagen wurde. Mit ihm soll auch der Mord an der Mutter vollzogen werden. Klytämnestra lebt im Haus zwischen Geweihen und einem kolossalen Ölgemälde, auf dem die ganze Familie abgebildet ist. Nur Agamemnons Gesicht wurde verhängt. Chrysothemis scheint nirgendwo hinzugehören, zwischen den Fronten versucht sie, sich aus allem herauszuhalten.
Schlüssig und konsequent hat Kerstin Krug Elektras Schicksal umgeschrieben. Orest, der den Muttermord begeht, wird nicht zum ersehnten Erlöser von Elektras Qualen. Ihr einziger Lebensinhalt war die Rache. Dessen beraubt, lässt Elektra über den Tod der Mutter ihr Leben. Mit ausdrucksstarker Mimik und vollem Körpereinsatz schufen die drei Schauspielerinnen eine emotionsgeladene und fesselnde Atmosphäre, die dem düsteren Thema absolut gerecht wurde. Die starke Inszenierung erhielt den verdienten, minutenlangen Schlussapplaus.






















