Gruß aus Bochum: Die Villa Nora
BOCHUM Auf eine bewegte Vergangenheit kann die bald 115 Jahre alte Villa Nora zurückblicken. Im Laufe ihrer Geschichte war sie Unternehmervilla, Kunstgalerie, Schul- und Verwaltungsgebäude. Außerdem ist sie mit dem tragischen Schicksal ihrer Namensgeberin verbunden.
Der Kaiser-Wilhelm-Platz auf einer Karte von 1922, links die Villa Marckhoff-Rosenstein, rechts die Villa Nora. (Repro: Dengler)
- Klänge auf Verkehrsinsel „Urban Audio Gardening“ sammelt Geräusche der Alsenstraße
- Besiegelte Leidenschaft Ernst-Otto Stüber sammelt Petschaften und mehr
- Geologie zum Anfassen Imposante Ausblicke beim Tag der offenen Tür im Steinbruch
- Kostbare Altkleider Unternehmer und Ehepaar suchen 14.000 Euro im Kleidercontainer
- Staatsanwaltschaft ermittelt Honorar-Affäre: Durchsuchung auch bei den Stadtwerken
Wie die historischen Karten zeigen, hatte Köhlers Villa, die über 40 Räume und ein separates Dienstboten-Treppenhaus verfügte, ein äußerst herrschaftliches Erscheinungsbild. Neogotische Ornamente finden sich dort neben romanischen und barocken Anleihen – ein gutes Beispiel für den reichen Stilmix des späten Historismus.
"Abtrünniger Mitarbeiter"
Der Ingenieur Köhler war in den 1860er Jahren beim Bochumer Verein (BV) Leiter des Bessemerwerks gewesen. 1868 ging er fort, um sich an dem Unternehmen „Neues Stahlwerk Daelen, Schreiber & Co“ (die zukünftige „Stahlindustrie“ des BV) zu beteiligen, wo er mit Unterbrechungen bis 1887 tätig war. Diese Firma stellte wie später die „Westfälischen Stahlwerke“ Eisenbahnmaterial (Radsätze, Federn, Weichen) her. Somit war Köhler direkter Konkurrent des BV, und er wurde von dessen Direktor Louis Baare als „abtrünniger und illoyaler“ ehemaliger Mitarbeiter sogar öffentlich angegriffen.
- Teil 99Bochum vor 110 Jahren
- Teil 98Die Villa Nora
- Teil 97Ein Bergmannsheim in Hordel
- Teil 96Die Vollmonde von Werne
- Teil 95Weihnachtspost aus Stiepel
- Teil 94Eine Partie am 12. 12. 12
- Teil 93Industrie und Idylle im Ruhrtal
- Teil 92Ausflug nach Marmelshagen
- Teil 91Junger Platz mit langer Tradition
- Teil 90Blasmusik im Bürgerhaus
Alkoholismus und psychische Probleme
Berichte, wonach sie anschließend bettelnd durch Bochum gezogen sei und mehrfach von der Polizei aufgegriffen wurde, entsprechen nicht den Tatsachen, wie Eberhard Brand von der Kortumgesellschaft, der die Geschichte der Villa Nora erforscht hat, herausfand. Allerdings konnte Amélie / Nora Köhler den Verlust ihres Vermögens nicht verkraften. Wohl an Alkoholismus und psychischen Problemen erkrankt, fiel sie unter das Armenrecht und starb 1914 in einer Psychiatrischen Anstalt.
Die Villa ging in den Besitz eines Bankhauses über, das sie weiter vermietete. So wurde sie für zwölf Jahre zur „Villa Balcke“, als die gleichnamige Unternehmerfamilie dort wohnte. Ab 1926 nutzte die Stadt Bochum das Gebäude als Gemäldegalerie, bis es 1944 zu Kriegsschäden kam.
Sparkassenstiftung kaufte 2006
Nach dem Krieg übernahm die Stadt das Haus und seine Instandsetzung, und es folgten Jahrzehnte unterschiedlicher Nutzung. An der Kortumstraße 156, so die heutige Adresse, residierten nacheinander die Verwaltung der Stadtwerke, Goetheschüler und die Verwaltung der Fachhochschule.
Am Ende einer über 20-jährigen erneuten Nutzung durch die Goetheschule (ab 1981) war das Haus stark renovierungsbedürftig. 2006 kaufte die Sparkassenstiftung die seit 2003 leer stehende Villa und übernahm die aufwendige denkmalgerechte Sanierung. Im Jahr 2009 konnte die Verwaltung des Kunstmuseums als Mieterin in die Villa Nora einziehen. Das übrige Gebäude wird heute von der Sparkasse für interne, aber auch öffentliche Veranstaltungen wie Konzerte genutzt.


























