Platz des europäischen Versprechens: Jochen Gerz überlegt, Projekt in anderer Stadt zu realisieren
BOCHUM Jochen Gerz fordert sechs Wochen vor Jahreswechsel klare Worte. Er hat große Zweifel, ob sein Platz des europäischen Versprechens in Bochum wirklich zum weit über das Ruhrgebiet hinaus strahlenden Projekt der Kulturhauptstadt wird. Und überlegt sogar, sein Projekt an einem anderen Ort als Bochum zu verwirklichen.
Die erste Namensplatte liegt bereits in der Kapelle der Christuskirche in der Innenstadt. (Foto: pev)
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Widersprüchlich seien die Aussagen der Stadt, sagt Gerz. So seien auf der einen Seite die Verträge aller Mitarbeiter im Projektbüro über das Jahresende hinaus nicht verlängert worden, auf der anderen Seite würde signalisiert, das gehe schon weiter. "Es wäre einfacher, wenn ich nach Delphi und zum Orakel mit den ein bisschen beschwipsten Priesterinnen gehen würde", nimmt er es mit dem ihm eigenen Humor.
"Dem Auftrag traue ich nicht mehr"
Nur eins steht für ihn fest: Wenn es im Januar weiter geht, "dann sage ich, nicht ohne die Erneuerung des Auftrags an mich. Dem bisher existierenden Auftrag traue ich nicht mehr."
Der Vertrag von Jochen Gerz mit der Stadt läuft unverändert bis Ende 2010, dem Datum der Einweihung. Nur, ob bis dahin mehr als die erste Namensplatte in der Kapelle auf dem Platz an der Christuskirche liegen wird, ist angesichts der fehlenden Finanzierung mehr als ungewiss. Dass die Stadt lediglich zwei Platten finanziert, stehe so nicht in seinen Verträgen, so Gerz. "Kann ich einen Auftrag über eine Arbeit vergeben, den ich nicht finanzieren kann?", fragt er die Stadt.
Es fehlt an Unterstützung
Auch bei der Sponsorensuche fehlt dem Künstler die Unterstützung: "Die Kirche und wir haben in diesem Jahr alle Privatstiftungen, Politiker, Parteien und internationale Institutionen angeschrieben. Die Stadt keinen einzigen."
Nur Splitt Sprachlos macht Jochen Gerz die Entwicklung um die Platzgestaltung. Erst kürzlich hatte der Rat beschlossen, statt des ursprünglich geplanten Natursteinkleinpflasters einfachen Splitt zu wählen.Jochen Gerz erwartet nun klare Worte: "Ich denke, dass die Stadt sich einen Monat vor Beginn des Kulturhauptstadtjahr dazu äußern sollte, ob sie ihren über den lokalen Rahmen hinaus gehenden Beitrag zur Kulturhauptstadt leisten kann oder nicht."

























