Gruß aus Bochum: Junger Platz mit langer Tradition
BOCHUM Dem Namen nach ist der Tana-Schanzara-Platz gegenüber dem Schauspielhaus zurzeit der jüngste Platz in Bochum, erhielt er seinen Namen doch erst im Juli 2010. An seiner Stelle befand sich jedoch bereits seit mehr als 100 Jahren ein traditionsreicher Vorgänger – der „Westfalenplatz“.
Eine Postkarte von 1914 zeigt die Königsallee inklusive Apollotheater. (Repro: Dengler)
- Klänge auf Verkehrsinsel „Urban Audio Gardening“ sammelt Geräusche der Alsenstraße
- Besiegelte Leidenschaft Ernst-Otto Stüber sammelt Petschaften und mehr
- Geologie zum Anfassen Imposante Ausblicke beim Tag der offenen Tür im Steinbruch
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Das neue Wohnviertel
Letztere ist heute ein Teilstück der Königsallee – zwischen Schauspielhaus-Kreuzung und Bahnunterführung. Der Westfalenplatz sollte als Marktplatz für das neue Wohnviertel dienen. Tatsächlich sind auf der Ansichtskarte von 1908 am unteren Bildrand Marktstände zu erkennen. Abgesehen von den frisch gepflanzten Bäumchen ist die Platzfläche nicht weiter gestaltet und noch ungepflastert. Anhand der aufwendigen Gebäudefassaden – auf dieser Karte entlang der Westfälischen Straße – lässt sich jedoch schon erahnen, dass dem Westfalenplatz eine städtebaulich repräsentative Rolle im Ehrenfeld zugedacht war.
- Teil 99Bochum vor 110 Jahren
- Teil 98Die Villa Nora
- Teil 97Ein Bergmannsheim in Hordel
- Teil 96Die Vollmonde von Werne
- Teil 95Weihnachtspost aus Stiepel
- Teil 94Eine Partie am 12. 12. 12
- Teil 93Industrie und Idylle im Ruhrtal
- Teil 92Ausflug nach Marmelshagen
- Teil 91Junger Platz mit langer Tradition
- Teil 90Blasmusik im Bürgerhaus
Bei Wiederaufbau verkleinert
Auf dem Westfalenplatz soll es auch eine „öffentliche Bedürfnisanstalt“ und einen Wartepavillon für die Straßenbahn gegeben haben, und einige Partien wurden mit einer Bruchsteinmauer eingefasst, wie die Karte von 1915 mit der Jägerstraße zeigt. Das Gebäude vorne links steht ungefähr an der heutigen Ecke von Königsallee und Oskar-Hoffmann-Straße, rechts biegt ein Straßenbahnwagen in die Clemensstraße ein.
Im Zweiten Weltkrieg wurde der Westfalenplatz mit den umgebenden Häusern größtenteils zerstört. Der anschließende Wiederaufbau brachte umfassende städtebauliche Änderungen mit sich, namentlich die Neugestaltung der Kreuzung von Königsallee, Oskar-Hoffmann-Straße und „neuer“ Hattinger Straße. Dabei wurde der Platz deutlich verkleinert und erhielt einen rechteckigen Grundriss. Durch die Errichtung eines Wohnhauses mit Tiefgarage in den 1970er Jahren reduzierte sich die freie Platzfläche noch weiter.
Umtoste Grünfläche
Somit war vom Westfalenplatz nur noch eine kleine, vom Verkehrslärm der Schauspielhaus-Kreuzung umtoste Grünfläche geblieben, als er schließlich im Jahr 2010 seinen Namen verlor. Als „Tana-Schanzara-Platz“ wartet er noch immer auf eine städtebauliche Aufwertung, die ihm den Platzcharakter zurückgeben könnte. Vielleicht wird dies nach Abschluss der aktuellen Baumaßnahmen an der Oskar-Hoffmann-Straße geschehen?


























