Kampf um Kranke: Private Transportunternehmen wollen mehr Infektionspatienten übernehmen
BOCHUM Ein erkrankter Patient muss von einem ins andere Krankenhaus verlegt werden. Um eine Ansteckung zu vermeiden, kann er jedoch nicht von jedem transportiert werden. Ein Problem, das Rettungsdienste vor eine große Herausforderung stellt. Denn viele Infektionspatienten ausschließlich von geschultem Personal befördert werden.
Infektionspatienten dürfen nicht von jedem befördert werden. Zu groß ist die Gefahr der Verbreitung von Keimen. (Foto: dpa)
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Fahrtenpool gegründet
Um der Ausbreitung von multiresistenten Keimen und Erregern Herr zu werden, dürfen viele Infektionspatienten ausschließlich von geschultem Personal befördert werden. Erst Anfang Januar entschied das Landgericht Bielefeld, dass dazu zum Beispiel auch MRSA-Patienten gehören. Nur Unternehmen, die über qualifiziertes Personal verfügen, dürfen sie befördern. Zum anderen müssen sie aber auch die Möglichkeit haben, nach dem Transport das Fahrzeug und die Ausrüstung komplett zu desinfizieren. Eine Anforderung, die hohe Kosten, Zeit und Aufwand mit sich zieht.
Da die Feuerwehr Bochum die steigende Zahl solcher Fahrten allein kaum noch stemmen kann, wurde Anfang vergangenen Jahres ein „Fahrtenpool“ gegründet. Darin enthalten sind alle privaten Transportunternehmen aus Bochum, die für solche Transporte qualifiziert sind. Fahrten für die nicht unbedingt die Feuerwehr zuständig sein muss, sollen über den Fahrtenpool übernommen werden. Ein Plan, der für die Feuerwehr nach einem Jahr aufzugehen scheint: Waren es im Jahr 2011 noch 15.278 Krankentransporte, die sie zu fahren hatten, waren es im vergangenen Jahr nur noch 11.385 Einsätze.
Gerichtsbeschlüsse ignoriert
Grund zur Freude haben die privaten Anbieter im Fahrtenpool wie die Firma Sani-Car oder der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) deshalb dennoch nicht: Einen hohen Anstieg der Fahrten melden sie nicht. Weder die einen, noch die anderen nutzen alle ihnen zur Verfügung stehenden Fahrzeuge. Sie ärgern sich, dass die bisherigen Gerichtsbeschlüsse oft ignoriert würden und Infektionspatienten, die eigentlich einen qualifizierten Transport benötigen, von einem Unternehmen mit einem einfachen Miet-Liege-Wagen abgeholt würden. „Da hält sich kein Schwein dran“, ärgert sich Udo Pokowietz, Geschäftsführer von Sani-Car in Bochum. Er schätzt, dass etwa 50 Prozent der Krankentransporte, die von Taxi-Unternehmen mit Liege-Wagen ausgeführt würden, eigentlich ein Fall für den Rettungsdienst seien. „Es gibt Regeln, aber sie werden ignoriert.“
„Was fehlt, sind eindeutige und klare gesetzliche Richtlinien“, erklärt Dirk Winter, Geschäftsführer des ASB Regionalverbandes Münster. Die Entscheidung darüber, welcher Transport letztlich gerufen werde, treffe zwar der Arzt, aber gerade die Krankenkassen würden oft zu dem günstigeren Transport drängen. Letztlich liege die Verantwortung aber beim Arzt, der den Transport anordnet. Winter: „Wir sind keine Ärzte.“
























