Konzerthaus: Knifflige Aufgabe für Architekten
BOCHUM Mit großer Mehrheit haben Stadtentwicklungs-, Kultur und Hauptausschuss den Architektenwettbewerb für das Musikzentrum auf den Weg gebracht. Es ist der inzwischen dritte Wettbewerb für die Realisierung einer Spielstätte der Symphoniker. Und dennoch ein wichtiger Schritt für das Projekt.
Britta Freis, Geschäftsführerin der Stiftung Bochumer Symphonie, freut sich über die Entscheidung zum Wettbewerb. Sie ist sicher, bis zum Stichtag (31. Mai) die noch fehlenden 3 Millionen Euro einwerben zu können. (Foto: Thomas Aschwer)
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"Wir haben gefühlt schon fünf Konzertsäle gebaut", sagt Kulturdezernent Michael Townsend mit Blick auf die Historie. Tatsächlich ist die Brache an der Viktoriastraße noch immer nur ein Parkplatz. Das soll sich ändern. Möglichst bald. Dank EU-Mittel und Spendern ist der politische Glaube an das Musikzentrum wieder aufgeflammt. "Es ist die Chance, als Stadt in einer finanziell schwierigen Situation noch Akzente zu setzen", so Townsend.
Die Politiker sehen das ähnlich. Die Bürger nicht unbedingt. Der Verzicht auf das Musikzentrum ist bei Weitem der am häufigsten genannte Bürger-Sparvorschlag in der aktuellen Haushaltdebatte. Die Kritiker aus Reihen der Linken und Sozialen Liste greifen das auf: "Bochum kann sich das nicht leisten", so Günter Gleising (SL). "Ich verstehe die Einwände", sagt Britta Freis, Geschäftsführerin der Stiftung Symphonie. Sie hält dagegen: Mit 2,4 Millionen Euro ist die Stadt am Projekt beteiligt. Das seien keine zehn Prozen.
Dafür würde Bochum den Erhalt eines stadtbildprägenden Gebäudes (Marienkirche), zwei akustisch optimierte Konzertsäle, die Symphonikern, Chören und Musikschülern eine Bühne bieten und eine Lösung für die problematische Probensituation des Bochumer Orchesters an der Zeche bekommen, sagt Wolfgang Cordes (Grüne). "Allein die Probensituation bekämen wir für 2,4 Millionen nicht hin", sagt er. "Ohne Musikzentrum hätten wir für die nächsten 50 Jahre nicht mehr als einen schönen Parkplatz an der Viktoriastraße", sagt Freis noch.
Leichte Kiste - trotzdem Debatte
Eigentlich eine leichte Kiste für die Politik. Zumal es gestern lediglich um die Auslobung des Wettbewerbs ging, dessen Ergebnis bewertet werden muss. Dennoch wurde zwei Stunden lang diskutiert. Und dabei nochmals die Einhaltung des Finanzrahmens festgeschrieben. Mehr als 32 Millionen darf der Bau nicht kosten.
Die Betriebskosten dürfen nicht über 650 000 Euro liegen - inklusive Verwaltungsräume. Letzteres boxte die rot-grüne Koalition mit einem Änderungsantrag durch. Zudem sollen möglichst viele Platanen erhalten bleiben. Jetzt ist es an den Architekten, die Vorgaben aus den 53 Seiten starken Wettbewerbsunterlagen umzusetzen. Drei Büros, die bereits an den Planungen für einen Kammermusiksaal in der Marienkirche beteiligt waren, wurden wieder eingeladen, sieben weitere Bewerber hinzu gelost.
Übernahme Jahrhunderthalle
Mit dem Beschluss geht das Musikzentrum nun in die heiße Phase. Bleiben die Architekten beim Wettbewerb im Kostenrahmen, steht dem Projekt fast nichts mehr im Weg. Die 2,4 Millionen Euro sind längst im Haushalt eingeplant und auch von der Bezirksregierung in der Beratungskooperation nicht angerührt worden. Mit dem endgültigen Ratsentscheid im Juni muss dann aber auch die Übernahme der Jahrhunderthalle geklärt werden. An diesen Deal ist ein Großteil der Fördermittel gebunden.
Sofern der Rat am 1. März dem Votum der Ausschüsse folgt, bekommen die Architekten den Auslobungstext und können anfangen zu arbeiten. Die Ergebnisse müssen bis zum 4. Mai eingereicht werden, am 11. Mai muss auch das Modell vorliegen. Das Preisgericht verkündet am 22. Mai seine Entscheidung. Bis zum 31. Mai muss die Stiftung nachweisen, dass sie das noch fehlende Geld zusammen hat. Am 28. Juni entscheidet der Rat über den Bau, der dann bis Ende des Jahres genehmigt werden soll.

























