Schöne Bilder, wenig Bochum: Neuer ZDF-Krimi „Heldt“ im Wirklichkeits-Check
BOCHUM Wie viel Bochum steckt im neuen ZDF-Vorabendkrimi? Ab Ende Januar ermittelt Nikolas Heldt in den Straßen dieser Stadt. Zumindest soll das so sein. Tatsächlich ist Bochum aber nur in vielen Panorama- und wenigen Nahaufnahmen wirklich zu erkennen. Dass die Serie zum Großteil nicht in Bochum entstanden ist, fällt auf. Zumindest Einheimischen.
Die Stammkneipe, die "Heldt"-Hauptdarsteller Kai Schumann regelmäßig aufsucht, ist ein wenig zu protzig für Bochumer Verhältnisse. (Foto: Dicks (ZDF))
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Ein Detail fehlt
Bochum ist eine Bierstadt, das sehen auch Nikolas Heldt (Kai Schumann) und seine Kollegen so. Und auf den ersten Blick sehen die Bierflaschen auch fast aus wie das Bochumer Original. Allerdings steht weder Fiege drauf, noch ist Fiege drin. Das Etikett kommt dem Original zwar wirklich nahe, aber es fehlt ein entscheidendes Detail: der Bügelverschluss. Auch die Pinte (Carlo’s), in die es Heldt immer wieder führt, versprüht nicht zwingend Bochumer Charme.
Fotostrecke Neuer ZDF-Krimi spielt in Bochum
Insgesamt sind die Bilder ziemlich overdressed und durchgestyled. Das Flair des Ruhrgebiets kommt nur an wenigen Stellen wirklich zum Tragen. Es ist alles ein bisschen zu schick, ein bisschen zu schön. Die Kulisse hätte gerne deutlich rauer sein können. Der Pott und seine Menschen sind kernig, immerhin das verkörpert Schumann.
Der Dienstwagen ist kein Opel
Sein Dienstwagen: ein alter, dunkelroter Mercedes. Treffender oder nahe liegender wäre ein Opel gewesen – aber seine alte Schleuder ist auf jeden Fall ein Hingucker. Ein perfektes Beispiel für meilenweit am echten Alltag vorbeigeschossen sind die Zellen im Bochumer Polizeipräsidium. In der Serie sind die Wände blau gestrichen, mit weißem Stift wurde „Haut die Bullen platt wie Stullen an die Wand“ gekritztelt.
Tatsächlich sind die Zellen an Spartanität und Farblosigkeit kaum zu überbieten. Die Wände sind weiß gefliest, der Boden bräunlich. Während man sich beim Ansehen der Serie durchaus vorstellen kann, eine Nacht in der Zelle zu verbringen, verwirft man diesen Gedanken beim Anblick der echten Zellen relativ zügig.
Spärlich gestreute Nahhaufnahmen
Mittendrin ist Bochum eigentlich nur, wenn spärlich eingestreute Nahaufnahmen zu sehen sind. Beispielsweise die Einfahrt zum Parkhaus am Boulevard – oder Verkehrsschilder, die zu Polizei und Bergbaumuseum führen. Das Museum kommt an vielen Stellen vor. Als einzelnes Bild zwischendurch, bei Überleitungen oder Szenewechseln. Es ist die wiederkehrende Konstante – ähnlich wie die Blaulichtübergänge bei Toto und Harry.
Was zumindest Männer freuen dürfte: Die Heckansicht von Staatsanwältin Ellen Bannenberg (Janine Kunze). Zumindest in der ersten Folge „Explosive Fracht“ ist Kunzes Hinterteil mehrfach schön von Regisseur Olaf Kreinsen in Szene gesetzt worden. Ein Hingucker, der allerdings nicht für die fehlende Ruhrpott-Attitüde entschädigen kann.
Schöne Seiten der Stadt
Die Bilder, die von Bochum gezeigt werden, sind schön. Weitwinkelaufnahmen vom Exzenterhaus – oder generell aus der Vogelperspektive. Im Zeitraffer fahren Autos bei Dunkelheit über den Ring vorbei am Bahnhof. So schafft es unsere Stadt immerhin in den ZDF-Vorabend. Mit seinen schönen Seiten. Der Krimi ist launig, aber kein Tatort. Und wer eine Serie nicht mit der Realität verwechseln will, ist bei Heldt und seinen Bochumer Fällen gut aufgehoben.





























