Premiere: Rottstr5 setzt Nibelungen-Saga mit "Ute, die Gute" fort
BOCHUM „Ute, die Gute“ feierte am Mittwochabend ihre Premiere. Die Inszenierung von Michael Lippold ist Teil der Neuerzählung der Nibelungensaga, aufgeteilt in mundgerechte Stücke. Mit der guten Ute wird die Königin von Burgund ins 21. Jahrhundert katapultiert - inklusive Quarkmasken, Tetrapack-Wein und global Players.
Karin Moog und Felix Lampert spielen in "UTE, DIE GUTE" von Michael Lippold. (Foto: Rottstr5)
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Entstaubtes Nibelungenlied
„Wo sind unsere Werte hin? Alle versenkt im Rhein“, stammelt Ute vor sich hin, während sie einen Rotweinverschnitt direkt aus dem Tetrapack hinunter stürzt. Dabei kreischt und zetert sie und flucht auf ihre Tochter Kriemhild, die sich mit dem Mongolen Etzel eingelassen habe. Nun steht Etzel vor den Toren Worms, um die Stadt mit seinen Mannen niederzutrampeln.
Doch kurz bevor der mongolische Trupp in Worms ankommt, wischt sich Ute die Maske aus dem Gesicht und versetzt dem Stück einen auf den ersten Blick kaum merklichen Zeitsprung - in die Zeit, bevor die Mongolen Worms bedrohten. Gemeinsam mit Felix Lampert entstaubt Karin Moog das Nibelungenlied mit einer skurrilen und amüsant überzeichneten Darstellung der Anziehungskraft zwischen Hagen und Ute: Als sie sich kennenlernen, ist Ute bereits mit Hagens Bruder Dankrat, dem König von Burgund, verlobt. Zu mehr als schüchternen Annäherungsversuchen kommt es zwischen den Ute und Hagen deshalb nicht.
Zwischenmenschliche Spannungen herausgearbeitet
Ute heiratet Dankrat pflichtbewusst und gibt die bürgernahe Königin. Hagen stürzt sich derweil in die Ökonomie wie früher in den Krieg. „Er macht Burgund zu einem global Player“, sagt Ute und verflucht die erzwungene Ordnung. „Mit der Pflicht legte sie den Sumpf ihrer Seele trocken“, spottet Hagen im Gegenzug über die Königin.
Um dem Verdruss Abhilfe zu schaffen, starten Ute und Hagen nach vielen Jahren die langersehnte Affäre.
Utes hellseherische Fähigkeiten und das Ringen um ihren magischen Gürtel sind dabei nur der Liebe zum Original geschuldetes Beiwerk. Viel spannender sind die zwischenmenschlichen Spannungen, die Lippold in seiner Fassung des Nibelungenlieds herausgearbeitet hat. Das Publikum zeigt sich bei der Premiere begeistert und vor allem amüsiert von der guten Ute.

























