Echo Klassik-Preis: Tabea Zimmermanns Solo für Bratsche
BOCHUM. Tabea Zimmermann erhält für ihr Album "Solo" den begehrten Echo Klassik-Preis 2010 in der Kategorie Instrumentalistin des Jahres. Ronny von Wangenheim sprach mit der Bratschistin, die mit Ehemann Steven Sloane und Familie in Bochum lebt.
Sie gilt weltweit als eine der führenden Bratschistinnen. Für ihr Album »Solo« bekommt Tabea Zimmermann den Echo. (Foto Borggreve)
- Arbeitsunfall beim Bochumer Verein 24-Jähriger in Transportwagen eingeklemmt
- Steven Sloane machte die Jahrhunderthalle zur doppelten Kathedrale Brücken von Bach nach Israel
- "Cyrano de Bergerac" Rohde hat die Nase vorn
- Bösch inszeniert "Die Ratten" Drama im Fantasie-Milieu
- Street-Artisten-Show Urbanatix trotzt der Schwerkraft
Es ist eine große Freude und Ehre für mich, gerade in dieser Kategorie. Und ich freue mich, dass ich den Echo gerade für dieses Solo-Album bekomme.
Das Album "Solo" ist bei myrios classics erschienen, als erstes Projekt der jungen Firma von Stephan Cahen...
...der übrigens aus Bochum stammt. Es war eine außerordentliche erfreuliche Zusammenarbeit. Bei den großen Firmen wie EMI konnte ich meine Wünsche in der Vergangenheit nicht so umsetzen. Ich bin mit meiner Bratsche nicht massentauglich.
"Solo" enthält drei Suiten von Max Reger und zwei von Johann Sebastian Bach.
Das sind traumhafte Suiten. Die Werke liegen mir sehr am Herzen, vor allem die von Reger sind völlig unterbewertete Stücke.
Bei Bach haben Sie sich bei seinen Cello-Suiten bedient.
Ja, vor allem die ersten vier sind wunderbar auf der Bratsche zu spielen.
Das klingt nach einer Fortsetzung?
Mal sehen...
Sie haben viele Alben veröffentlicht, das ist jetzt das erste Soloalbum.
Ich habe mir an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin ein Jahr Urlaub gegönnt, inzwischen ein zweites. Da fand ich, es war Zeit für eine schöne CD-Produktion. Im Herbst geht es zurück an die Hochschule.
Der Echo Klassik wird in diesem Jahr in der Kulturhauptstadt Europas verliehen - am 17. Oktober in der Philharmonie Essen...
...und ich bin nicht da. Ich bin mit dem Arcanto Quartett in den Herbstferien auf USA-Tournee und spiele an diesem Abend in Vancouver.
Ein Termin der seit langem geplant war?
Es ist schwierig, wir haben alle vier unterschiedliche Tätigkeiten, zusammen neun Kinder, da können wir uns nur auf 15 bis 20 Konzerte im Jahr verständigen.
Sie selbst haben drei Kinder (elf, neun und sechs Jahre alt). Wie verträgt sich das mit der Tournee?
Deshalb mache ich nur kurze Reisen, wähle manche Termine auch danach aus, ob sie familienverträglich sind.
Sie spielen mit den großen Orchestern. Daneben steht die Kammermusik. Wofür schlägt ihr Herz mehr?
Kammermusik ist mir viel wichtiger. Die Art der Kommunikation zu dritt, viert oder sechst. Es gibt nichts Schöneres, als sich als Mensch in der Musik zu begegnen. Da können auch Seelen kommunizieren. Der Solobereich macht mir Spaß, er hat aber auch etwas oberflächliches. Drei bis vier Proben für ein ganzes Programm, also für mich oft nur eine Probe und eine Generalprobe mit dem Orchester und dann muss man fertig sein. Im Kammerensemble kann man andere Feinheiten herausarbeiten als mit dem großen Orchester. Wir bleiben so lange dran, bis wir meinen, wir können uns auf eine Bühne wagen.
In den CD-Kritiken wird Ihre "unerhört technische Perfektion" gelobt, es fallen aber auch Begriffe wie "Klang und Seele" oder "Geschenk für das Herz". Welches Lob ist Ihnen wichtiger?
Der Ausdruck ist das wichtigste. Der Hörer soll nicht hören, dass es schwierig ist, er soll den Inhalt der Musik entdecken. Ein schöner Klang transportiert den Ausdruck.
Schönen Klang gibt es auch bei Reger und Bach?
Reger ist romantische Musik mit barocken Formen, ein voller, warmer, weicher Klang. Bach spiele ich viel vorsichtiger, mit viel weniger Kraft, fast ohne Vibrato, mit leichtem Bogen. Beides ist extrem unterschiedlich. Ich habe die beiden Komponisten auch getrennt eingespielt.
Sie haben bereits mit drei Jahren begonnen, Bratsche zu spielen. Wie kam es zu der Instrumentenwahl?
Es war meine dickköpfige Entscheidung. Meine drei älteren Geschwister spielten alle Instrumente. Ich wollte auch. Wochenlang, monatelang habe ich mit zwei Kochlöffeln "Geige" geübt. Bis meine Eltern den Geigenlehrer fragten: Was sollen wir machen mit dem Kind? Der Lehrer wollte dann, dass ich Bratsche spielen. Er war dafür, dass Kinder von Anfang an Kammermusik machen. Meine Geschwister spielten schon Cello, Geige und Klavier...

























