Prozess im September: Tote 17-Jährige: Anwalt der Opferfamilie im Interview
BOCHUM Vor vier Monaten wurde in Stiepel die 17-jährige Schülerin Laura N. erwürgt - in ihrem Kinderzimmer. Am 7. September soll vor dem Landgericht der Prozess gegen Sydney A. (17), den mutmaßlichen Täter, beginnen. Über Trauer, Schmerz und Hintergründe spricht Egbert Schenkel, Anwalt der Opferfamilie, im RN-Interview.
Egbert Schenkel, Anwalt der Opferfamilie. (Foto: Jörn Hartwich)
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Schenkel: Alle sind nach wie vor fürchterlich betroffen - und auch verzweifelt. Die Mutter kann das alles überhaupt noch nicht begreifen. Sie versteht das nicht. An jeder Stelle des Hauses werden Erinnerungen wach. Das ist sehr belastend.
Wird die Mutter selbst zum Prozess kommen?
Schenkel: Ja, sie will zum Prozess kommen. Sie will an der Verhandlung teilnehmen, weil sie sich weitere Aufklärung erhofft, um das Unbegreifliche begreiflich zu machen. Sie weiß aber noch nicht, ob sie das wirklich durchsteht.
Der Angeklagte soll ein guter Freund der Familie gewesen sein.
Schenkel: Das war er. Laura kannte Sydney seit über fünf Jahren. Sie hat sich schon auf der Schule für ihn eingesetzt, wenn er aufgrund seiner Körperfülle gehänselt wurde.
Aber sie waren kein Liebespaar. Trotzdem durfte Sydney A. in der Tatnacht im Zimmer der 17-Jährigen übernachten. Ist das nicht ungewöhnlich?
Schenkel: Das war wohl absolut nicht ungewöhnlich. Er hatte in der Vergangenheit schon ein paar Mal in Stiepel übernachtet – und umgekehrt auch. Auch Laura hat ein- bis zweimal im Haus seiner Mutter übernachtet. Auch Übernachtungen bei anderen Freunden oder Freundinnen waren nicht ungewöhnlich. Es gab keinerlei Anhaltspunkte für irgendetwas Beunruhigendes. Er hat auch auf einer extra Matratze geschlafen. Sydney war ein alter Schulfreund, da war nie mehr.
Kann es denn sein, dass er sich mehr erhofft hat?
Schenkel: Das weiß man nicht so genau. Es gibt aber wohl Hinweise darauf, dass in der Tatnacht mehr passiert ist.
Die Tat soll in der Nacht passiert sein. Hat denn wirklich keiner etwas mitbekommen?
Schenkel: Das ist auch so ein Punkt, den die Mutter nicht versteht. Normalerweise ist das Haus sehr hellhörig. Das Zimmer war auch nur mit einer Faltschiebetür verschlossen. Aber es hat wohl niemand etwas gehört. Der fünfjährige Bruder hat die Tote gemeinsam mit der Mutter morgens gefunden. Und wohl sinngemäß gesagt: „Mama, guck mal, die Laura liegt da neben dem Bett.“

























