Familienunternehmen: Traditions-Rösterei Steffen schließt Ende März
BOCHUM Seit 1831 bietet die älteste Kaffeerösterei Bochums ihre Spezialitäten an. Ende März schließt die Rösterei Steffen. Bereits in dieser Woche werden die Gerätschaften in der Grabenstraße abgebaut.
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Schwere Entscheidung
Gefühl oder klarer Verstand, hohe Neuinvestition oder aus und vorbei? Lange hat Hanno Steffen mit sich gerungen, hat hin und her überlegt. Hat mit seinen drei Kindern gesprochen.
Am Ende stand die Entscheidung: Die älteste Kaffeerösterei Bochums schließt. Bereits in dieser Woche werden die Gerätschaften in der Grabenstraße abgebaut.
In den Niederlanden werden sie einer "Frischzellenkur" unterzogen, bevor sie ihren endgültigen Platz im Hamburger Museum finden.
Wehmut beim letzten Rösten
Wehmut kommt am Samstag beim letzten Rösttag auf. Eine Art Familientreffen. Die Kinder, die schon früh in die hohe Kunst des Kaffeeröstens eingeführt wurden, greifen noch einmal mit Freude in die warmen Bohnen, erklären den Gästen wieder und wieder den nicht einmal 20 Minuten dauernden Röstvorgang.
Horst Rösner (80) muss da nicht zuhören. Von 1982 bis 2007 hat er bei Steffen Kaffee geröstet, kennt Anlage, Abläufe und Eigenarten der Kaffeesorten wie kaum ein zweiter.
Wie bei Hanno Steffen gab es für ihn stets den inneren Antrieb, beste Kaffeebohnen zu liefern.
Nicht akzeptabel für Hanno Steffen. Weil jedoch immer weniger Menschen bereit sind, für so hochwertige Produkte entsprechen zu zahlen, würden die 25 Kilo je Sorte länger als eine Woche reichen und nicht mehr richtig frisch sein.
Tradition endet in fünfter Generation
Dazu haben sich die drei Kinder beruflich längst anders orientiert. Die Tradition der ältesten Bochumer Röserei wird deshalb mit der fünften Generation enden. Wie schwer Hanno Steffen die Entscheidung gefallen ist, war am Samstag Rösttag greifbar.
Immer wieder kontrolliert er den Prozess, richtet den Blick auf die so wichtige Temperaturanzeige, zieht eine Probe.
Ein schmaler Grat
"Der Ofen wird auf 200 Grad erhitzt", erklärt Steffen. Mit dem Befüllen sinkt die Temperatur deutlich, um sich langsam wieder der 200 Grad zu nähern. Das ist der Moment, wo höchste Konzentration und viel Erfahrung gefragt sind.
Zwischen optimalem Ergebnis und verbrannter Bohnen ist es ein schmaler Grat. Weil die Familie Steffen ihn in Perfektion beherrscht, ist das Ende eine ganz bittere Nachricht.
Seit 1831 bietet Bochums älteste Kaffeerösterei hochwertigen und traditionell handwerklich geröstete Kaffeespezialitäten an. Dabei unterhält das Familienunternehmen langjährige Kontakte zu Kleinbauern in den Anbauländern in Südamerika und Afrika. Auf jedes Kilo gerösteten Kaffee wird in Deutschland eine Steuer von 2,19 Euro erhoben. Wenn die Rösterei Steffen jetzt schließt, konzentriert sich Inhaber Hanno Steffen auf seine seit Jahren bestehende Handelsgesellschaft.

























