Frauenkulturtage: Ein erschütternder Monolog zum Auftakt
CASTROP-RAUXEL "Gewalt frei leben" ist das Motto der Frauenkulturtage. Ganz und gar nicht gewaltfrei ging es bei der Eröffnung am Freitagabend zu: Auf der Bühne sinnierte eine WLT-Schauspielerin über "Kindsmord".
WLT Schauspielerin Carolin Knebel (l.) und Dramaturgin Sabrina Bohl diskutierten nach der Aufführung mit dem Publikum. (Foto Fritsch)
Die literarische Aufarbeitung Peter Turrinis eines authentischen Falles aus den 70er-Jahren in Österreich wurde ein Jahr nach ihrer Premiere am WLT am Freitag noch einmal im Studio von Schauspielerin Caroline Knebel ebenso eindrucksvoll wie aufwühlend gegeben. "Das ging schon unter die Haut", gab die städtische Gleichstellungsbeauftrage Ingegard Pier anschließend beim gemeinsamen Ausklang die allgemeine Gefühlslage des zumeist weiblichen Publikums wieder. "Ich fühle mich gleichermaßen begeistert und erschlagen", fügte sie hinzu.
Frauenkulturtage seit 1990
Auch Bürgermeister Johannes Beisenherz, der zusammen mit seiner Frau Dorothea erschienen war, hatte zuvor bei der offiziellen Eröffnungsansprache bereits das Thema kurz angerissen und in diesem Zusammenhang erklärt, dass allein die Existenz des Frauenhauses beweise, wie nah und aktuell die Gewaltproblematik auch heute noch sei. Gleichzeitig freute er sich darüber, dass die tragenden Akteure der mittlerweile 22. Frauenkulturtage, die 1990 in der heutigen Ickerner Agora aus der Taufe gehoben worden waren, erneut zahlreicher geworden seien, da das Stadtteilbüro Deininghausen und Die Linke sich erstmalig aktiv mit eingebracht haben.
Nach einem Einführungsvortrag durch die Dramaturgin Sabrina Bohl demonstrierte Caroline Knebel dann in einem ergreifenden 45-Minuten-Monolog, unterbrochen lediglich von Stimmen und Musik aus dem Off, die zerrissene Gefühlslage einer jungen Frau, die nie sie selbst war, sondern immer nur die vermeintlichen Erwartungen ihrer männlichen Gegenparts erfüllte. In karger Kulisse blieb dabei bis zum Schluss vieles offen, nicht zuletzt das eigentliche Motiv für ihren Säuglingsmord.
So geht es weiter:
Die 14 Tage dauernden Frauenkulturtage gehen am Montag mit drei Veranstaltungen weiter. Die Verbraucherzentrale an der Oberen Münsterstraße bietet von 9 bis 12 Uhr und von 14 bis 18 Uhr eine kostenlose Rechtsberatung an. Die Künstlerin Ursula Commandeur leitet im Bürgerhaus von 9 bis 12 Uhr einen Workshop „Arbeiten mit Ton“. Am Abend um 19.30 Uhr hält der pensionierte Lehrer und Schulleiter Walther Winkelmann im Bürgerhaus ein Plädoyer für die Gemeinschaftsschule.















