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Ticker: Grünes Licht für Thier-Gelände
Von Gaby Kolle, Constantin Blaß und Oliver Volmerich am 24. April 2008 19:16 Uhr
DORTMUND Es ist entschieden: Der Dortmunder Rat hat grünes Licht für den Bau eines Einkaufszentrums in der Innenstadt, auf dem früheren Thier-Gelände, gegeben. Was sonst noch in der Ratssitzung passierte, können Sie bei uns im Ticker nachlesen.

19.57 Uhr: Hiermit brechen wir den Ticker ab. Die Debatte neigt sich dem Ende zu. Rot-Grün hat angekündigt, den Antrag der CDU, das städtische Rechnungswesen von einem externen Wirtschaftsprüfer durchleuchten lassen, abzulehnen. Mit rot-grüner Mehrheit soll dagegen der Antrag von Genossen und Grünen verabschiedet werden. Der  fordert u.a., die eingeleiteten diziplinarischen Verfahren zeitnah durchzuführen  und nach der Sommerpause über den Stand zu berichten. Bis zum Abschluss der disziplinarischen Verfahren sollen betroffenen Mitarbeiter nicht befördert  und nicht in andere Aufgaben eingewiesen werden.

19.50 Uhr: SPD-Fraktionssprecher Ernst Prüsse meinte, die Fraktionen von CDU sowie FDP/Bürgerliste seien seit Monaten bemüht, die Rollen von Täter und Opfer umzukehren und versuchten den Eindruck zu erwecken, der OB habe die Millionen persönlich unterschlagen: „Das ist empörend, das ist menschenverachtend! Das beschädigt das politische Klima in dieser Stadt!“ Er entschuldigte sich für die SPD-Fraktion bei allen Dortmunder Bürgerinnen und Bürger „für die Fehler, die passiert sind“ Richard Utech (SPD) kündigt an, einen neuen Oberbürgermeister durch die Rathaus-Hintertür  werde es nicht geben. Auch nach der Kommunalwahl 2009 werde Dr. Gerhard Langemeyer durch die Eingangstür ins Rathaus ziehen.

19.35 Uhr: CDU-Fraktionschef Hengstenberg warf den Grünen vor, sie hätten keine Meinung zu den Vorgängen im Oberbürgermeisteramt. In Richtung OB erklärte er, das Ablenkungsmanöver, dass Langemeyer gestartet habe, sei mit Worten nicht zu begreifen. Die Netzwerkstrukturen, die die CDU befürchtet habe, sei schon durch die Ankündigung von Rechnungsprüfungsamtsleiterin Seybusch und OB, dass  disziplinarischen Ermittlungen  gegen einzelne Mitarbeiter eingeleitet werden, die Dienstvorschriften missachtet haben. Hengstenberg: „Die Ermittlungen laufen alle gegen diejenigen, von denen Sie sagen, sie sind im Netzwerk.“

Ratssitzung
Mario Krüger.
Foto: Andreas Wegener
19.26 Uhr: Heinz Dingerdissen (FDP) sprach von einem „Zweifrontenkrieg“ im Parlament. Langemeyer sei der Oberbürgermeister von Rot-Grün. 1,1 Mio.€ seien verschwunden. Als absurd wies Dingerdissen den Vorwurf von SPD-Fraktionschef Prüsse zurück, CDU und FDP/Bürgerliste wollte den Eindruck erwecken, der OB habe sich selbst Geld in die Tasche gesteckt. Bis vor wenigen Monaten habe die Verwaltung das antiquierteste System gehabt, was erst durch die Bargeld-Affäre aufgefallen sei.

19.11 Uhr: Richard Utech (SPD) kündigt an, einen neuen Oberbürgermeister durch die Rathaus-Hintertür  werde es nicht geben. Auch nach der Kommunalwahl 2009 werde Dr. Gerhard Langemeyer durch die Eingangstür ins Rathaus ziehen.19 Uhr: SPD-Fraktionschef Ernst Prüsse entschuldigte sich im Namen der SPD-Fraktion bei allen Dortmunderinnen und Dortmundern "für die Fehler, die passiert sind!"

Er appellierte ausdrücklich an alle Beschäftigten der Stadtverwaltung, in ihrem Arbeitsumfeld „noch mehr“ darauf zu achten, dass alle Anweisungen beachtet und alle Regeln eingehalten werden, damit künftig kriminelle Mitarbeiter keine Chance hätten. Wenn die CDU behaupte, es gebe mehr als eine Täterin, dann solle sie die Beweise der Staatsanwaltschaft übergeben. „Aber stellen Sie nicht in der Öffentlichkeit unbewiesene Behauptungen auf.“

Was die CDU mit ihren Behauptungen und Unterstellungen mache, sei „niederträchtig und schäbig“. Er schäme sich für Hengstenberg und forderte den CDU-Fraktionschef auf, sich bei den Mitarbeitern der Stadtverwaltung zu entschuldigen. Was die CDU bei Wahlen nicht schaffe, nämlich einen sozialdemokratischen Oberbürgermeister zu verhindern, versuche sie jetzt auf kalten Wege zu erreichen. Prüsse: „Ihre heutige Schlammschlacht machen wir nicht mit. Spielen Sie allein im Dreck!“

18.33 Uhr: Dr. Jürgen Eigenbrod warf dem Abschlussbericht der städtischen Rechnungsprüfer vor, je näher er an den OB herankomme, desto stärker setze eine Vernebelung ein. Die Frage, wo das Geld geblieben sei, das die Hauptverdächtige nicht genommen habe, werde erst gar nicht gestellt. Nach der Verwaltungsreform 2002 hätten die Unterschlagungen drastisch zugenommen. Der OB habe zum dritten Mal eine externe Prüfung des städtischen Rechnungswesens abgelehnt. Langemeyer habe kein Interesse an einer neutralen Untersuchung. Eigenbrod: „Glauben Sie, die Bürger werden das nicht vergessen.“

18.26 Uhr: Dr. Jürgen Eigenbrod (CDU) warf Langemeyer vor, die öffentliche „Management-Fassung“ des 157 Seiten umfassenden Abschlussberichts der Rechnungsprüfer auf sieben Seiten beschränkt zu haben. Das sei „Vernebelung“. Die Bürger hätten aber Anspruch auf mehr Informationen. Es habe einen totalen Ausfall jeder Kontrolle gegeben. Das könne man durchaus mit dem vom OB zurückgewiesenen Begriff des „Selbstbedienungsladens“ benennen.

Ratssitzung
Manfred Sauer kritisiert die schlechten Kontrollen im Zusammenhang mit der Bargeld-Affäre.
Foto: Andreas Wegener
18.18 Uhr: Manfred Sauer (CDU): Ein lasches, falsches System habe der Täterin erst die kriminelle Handlungen erlaubt. Bei anderer Kontrolle, anderer Vorsorge, wären die kriminellen Handlungen gar nicht geschehen. Es wäre die Aufgabe des OB gewesen, dafür zu sorgen, dass solche „Schweinereien“ erst gar nicht hätten passieren können. Opfer seien die unschuldigen Stadtmitarbeiter, die Bürger und das Ansehen der Stadt, das einmal mehr gelitten habe. Verantwortlich seien ganz wenige leitende Mitarbeiter und natürlich der OB.

In der morgendlichen Sondersitzung des Haupt- und Finanzausschusses hätten mehrere Amtsleiter Fehler eingeräumt und sich entschuldigt. Sauer zu Langemeyer: „Nehmen Sie das Vorbild Ihrer Mitarbeiter an und verhalten sich entsprechend.“ Der OB habe versucht, sich auf die Seite der Opfer zu schlagen, aber er sei Verantwortlicher.

18.15 Uhr: Tokarski sprach für die Fraktion FDP/Bürgerliste vom Selbstbedienungsladen im OB-Amt. Für ihn seien in erster Linie die Hauptverdächtige und ihre Vorgesetzten schuld. Er forderte trotzdem ebenfalls den Rücktritt des Oberbürgermeisters, auch wenn diesen persönlich keine Schuld treffe.

18.10 Uhr: Für die „Linken im Rat“ erklärte Wolf Stammnitz, die vom OB aufgezeigten Konsequenzen reichten bei weitem nicht aus. Die Bürger erwarteten die Antwort auf die Frage, wie das passieren konnte, dass in einem Amt Jahr für Jahr zigtausende Euro verschwinden und niemand merke etwas. Der OB erkenne nicht die gesamte Tragweite des Vorganges oder wolle sie nicht erkennen. Die Linken im Rat kämen zu dem Ergebnis, wenn in drei Stadtämter derart mit Vorschriften und Kontrollen umgegangen wird, kann die Verantwortung nicht nur bei den Amtleitern liegen, sondern beim Chef der Verwaltung. Stammnitz forderte Langemeyer zum Rücktritt auf.

18.07 Uhr: OB Langemeyer kommt zum Schluss. Er lege Wert darauf, dass konsequent nach rechtsstaatlichen Prinzipien reagiert werde und nicht nach parteipolitischem Kalkül.

Ratssitzung
Heiß her geht's im Rathaus.
Foto: Andreas Wegener
18.03 Uhr: OB Dr. Gerhard Langemeyer zu den Konsequenzen aus dem Prüfbericht. „Vertrauen ist mit krimineller Energie systematisch missbraucht worden.“ Dienstvorschriften seien nicht lückenlos beachtet worden. Als Konsequenzen zählte Langemeyer u.a. disziplinarische Untersuchungen auf, wo individuelles Fehlverhalten vorliegt. Die Stadtkasse soll optimiert, das Rechnungsprüfungsamt personell verstärkt werden. Bargeschäfte wurde bereits abgeschafft.

18 Uhr: OB Langemeyer in Richtung CDU: „Wenn Sie etwas zu wissen glauben, raus damit, und Belege auf den Tisch und sofort den Staatsanwalt informieren.“ Er sei beleidigt und verleumdet worden, so Langemeyer, doch er werde nicht rechtlich mit den Dingen umgehen, sondern politisch.

17.55 Uhr: Das Flugblatt der CDU zur Bargeld-Affäre nannte OB Langemeyer eine Schmierenkomödie. Ihm werde darin heimliche Komplizenschaft unterstellt, der Eindruck erweckt, er selbst habe in die Kasse gegriffen oder das Ganze von oben gedeckt. Langemeyer: "Ihnen bei der CDU geht es nicht um die Aufklärung oder Wahrheit, sondern um Rufmord des politischen Gegners.“

17.44 Uhr: OB Dr. Gerhard Langemeyer lässt die Vorgänge zur Bargeld-Affäre Revue passieren und lobte die exzellente Leistung des Rechnungprüfungsamtes. „Wir sind alle empört. Wir sind uns einig, dass sich so etwas nicht wiederholen darf“, sagte der OB. Natürlich trage er Verantwortung. Eine Stunde nach dem ersten Verdacht habe er seine Verantwortung wahrgenommen und das Rechnungsprüfungsamt eingeschaltet. Weder ein schnelles Bauernopfer noch populistische Antworten seien angebracht, sondern im strengsten Sinne Dienst nach Vorschrift. Langemeyer: „Ich halte mich streng an die Prinzipien.“

zzdo-thier.jpg
Jetzt ist es amtlich: 27.500 Quadratmeter wird das Einkaufszentrum am Thier-Gelände haben.
Grafik: Archiv
17.40 Uhr: Der Rat hat grünes Licht für den Start des Planverfahrens für das Einkaufszentrum auf dem Thier-Gelände gegeben. Der Antrag von SPD und Grünen u.a. zur Reduzierung der neuen Verkaufsfläche auf 27.500 Quadratmeter und Anforderungen an die Qualität wurde mit rotgrüner Mehrheit angenommen. Die Vorlage der Verwaltung zum Start des Bebauungsplan-Verfahrens wurde nur gegen die Stimmen der Linken, also mit großer Mehrheit, angenommen. Auch wenn man gegen den Antrag von SPD und Grünen sei, stimme man zu, weil man das Projekt selbst befürworte, hatten Sprecher von CDU und FDP/Bürgerliste erklärt. Das wird zu Protokoll genommen. Jetzt beginnt die Debatte zur Bargeld-Affäre.

17.35 Uhr: SPD-Fraktionschef Ernst Prüsse: Wir haben mit dem Antrag zu Thier bewiesen, dass die rotgrüne Zusammenarbeit funktioniert. 27.500 Quadratmeter seien ein „faires Angebot“.

17.30 Uhr: Die Zuschauerreihen im Ratssaal haben sich angesichts der endlos scheinenden Debatten merklich gelichtet. Auch in der Bürgerhalle sitzt vor dem Fernsehschirm nur noch eine handvoll Zuhörer. Dabei hat Oberbürgermeister Dr. Gerhard Langemeyer eigens die Kaffeepause des Rates verschoben, um zunächst die Punkte von großem öffentlichem Interesse zu beraten. Nach der Thier-Debatte, die derzeit noch läuft, steht immerhin noch die Diskussion um die Bargeld-Affäre aus.

Ratssitzung
Dr. Gerd Langemeyer.
Foto: Andreas Wegener
17.25 Uhr: Immerhin: Auch die Bewohner des Hippie-Hauses, das für das Thier-Center abgerissen werden soll, bekommen Fürsprecher. Nicht nur die Grünen, sondern auch die Linken und SPD wollen sich für ein Ersatz-Domizil einsetzen.

17.15 Uhr: CDU-Fraktionschef Hengstenberg lehnt den rotgrünen Antrag zum Thier-Gelände u.a. mit einer Verkleinerung der neuen Handelsfläche auf 27.500 Quadratmeter ab. Das sei lächerlich. Das Projekt habe Klasse und Struktur, um der Stadt zu helfen. Grünen-Planungssprecherin Ingrid Reuter verteidigt den Antrag. Es gehe um die ökonomische und städtebauliche Verträglichkeit.

SPD-Planungssprecher Helmut Harnisch betont, dass man mit der Verkleinerung auch den Bedenken um Kaufkraftabflüsse aus den Stadtteilen entgegenkomme. Die zusätzlichen Forderungen seien Eckpunkte, die die Verwaltung bei den weiteren Verhandlungen mit dem Investor berücksichtigen solle.

17 Uhr: Jetzt beginnt die Debatte zur Einleitung des Planverfahrens für das Einkaufszentrum auf dem Thier-Gelände.

Ratssitzung
Jörg Stüdemann (SPD).
Foto: Archiv
16.55 Uhr: Der Rat verabschiedet mit rotgrüner Mehrheit die „Rüge“ an Regierungspräsident Helmut Diegel in Sachen Haushaltsstreit, verbunden mit der Forderung, den Etat kurzfristig freizugeben, um neue Investitionen zu ermöglichen. Der CDU-Antrag, bei der Anbringung von SPD-Plakaten mit der Kritik an Diegel an öffentlichen Gebäuden strikt auf das Neutralitätsgebot zu achten, findet keine Mehrheit.

16.40 Uhr: CDU-Fraktionschef Frank Hengstenberg spricht von der Verdoppelung der Schulden der Stadt Dortmund, viele zusätzliche Kosten seien hausgemacht - etwa durch das Sozialticket oder bei den Unterbringungskosten für Arbeitslosengeld II-Bezieher.

Rotgrün habe mit den falschen einen „Krieg“ angefangen. Man sollte kooperativ mit der Bezirksregierung zusammenarbeiten. Diegel mache die Politik, die seine SPD-Vorgänger aus falsch verstandener Partei-Treue nie gemacht hätten. Nach Hengstenberg gibt es zum Haushaltsstreit noch sechs Wortmeldungen. Jetzt wird allerdings die Rednerliste geschlossen.

Demo
Die Flughafen-Gegner demonstrierten im Bürgersaal und hatten in Anspielung auf die "Salami-Taktik" der Politiker eine Riesen-Salami dabei.
Foto: Blaß
16.25 Uhr: Die Stadt habe bei den Finanzen kaum Spielraum angesichts vieler Pflichtaufgaben, sagt Grünen-Fraktionssprecher Mario Krüger. Zudem sei Dortmund mit den Haushaltsproblemen nicht allein. Dies sei auch eine Folge der Politik der Landesregierung. In die gleiche Kerbe schlägt SPD-Fraktionschef Ernst Prüsse. Er unterstellt Regierungspräsident Helmut Diegel (CDU) politisch motiviertes Handeln.

16.10 Uhr: Im Streit um den blockierten Haushalt prangern SPD-Fraktionsvize Jutta Starke und Grünen-Fraktionssprecher Mario Krüger die Haltung des Regierungspräsidenten als politisch motiviert an. FDP/Bürgerlisten-Sprecherin Dr. Annette Littmann weist die Vorwürfe zurück, kritisiert den rotgrünen Haushalt als unseriös.

Als Reaktion trägt der OB vor, dass das Jahresergebnis der Sparkasse trotz West LB-Krise nicht auf den Haushalt durchschlage. Für das angeschlagene Klinikum kündigt er für Juni die Vorlage eines Sanierungskonzepts an. CDU-Finanzsprecher Udo Reppin sagt, dass die Stadt die Haushaltsprobleme "selbst verschuldet" habe. Man lebe in einer hemmungslosen Weise auf Pump.

15.54 Uhr: Jörg Stüdemann ist als Kultur- und Sportdezernent wiedergewählt. Der SPD-Mann bekam 55 Ja- und 29-Nein-Stimmen und ist damit für weitere acht Jahre im Amt. Der Rat diskutiert im Moment über das Haushalts-Veto des Regierungspräsidenten und seine Folgen.

15.40 Uhr: Die Demonstration zum Hippie-Haus geht jetzt im Rathaus weiter. Die Protestler haben auf der völlig überfüllten Zuschauertribüne Transparente ausgebreitet. Der Hinweis von OB Langemeyer, dass dies in der Ratssitzung nicht zulässig sei, wird mit Johlen quittiert. Ein Teil der Demonstranten hat sich auf der Ratshaustreppe niedergelasen, wo es ein kleines Musik- und Kultur-Happening gibt.

Demo
Kurz nach Beginn der Ratssitzung wurden die Hippies von den Kräften der Polizei nicht durch den Haupteingang gelassen.
Foto: Blaß
15.28 Uhr: Im Rathaus hat die Wahl von Kulturdezernent Jörg Stüdemann begonnen – auf Wunsch der Fraktion FDP/Bürgerliste in geheimer Abstimmung. Das dauert...

15.05 Uhr: Kurz nach Beginn der Ratssitzung wollen Hippies ins Rathaus, um an der öffentlichen Sitzung teilzunehmen. Die Polizei verweigert den Zutritt durch den Haupteingang. Den Hippies ist's egal, sie gehen durch das Rathaus-Café in den Bürgersaal. Wenig später werden auch sie hineingelassen.

15.10 Uhr: Im Ältestenrat hat man sich kurz vor der Ratssitzung auf eine neue Reihenfolge der Tagesordnungspunkte verständigt. Nach der Wiederwahl von Kultur- und Sportdezernent Jörg Stüdemann soll zunächst über das Haushaltsveto von Regierungspräsident Helmut Diegel und seine Folgen beraten werden. Dritter Punkt ist dann die Entscheidung über das Einkaufszentrum auf dem Thier-Gelände, bevor die Bargeld-Affäre debattiert wird.

15 Uhr: Die Demonstrationen auf dem Friedensplatz gehen zu Ende. Die Ratsvertreter müssen in den Saal. In der Bürgerhalle protestieren zudem noch Vertreter der Schutzgemeinschaft gegen  Fluglärm gegen den „scheibchenweisen Flughafenausbau“ und haben dazu überdimensionale Salamischeiben mitgebracht.

Ratssitzung
Frank Hengstenberg.
Foto: Andreas Wegener
Oberbürgermeister Dr. Gerhard Langemeyer eröffnet die Ratssitzung, die auf großes Zuschauerinteresse stößt. Die Tribüne im Ratssaal ist vollbesetzt. Die Sitzung wird aber in Bild und Ton auch in die Bürgerhalle übertragen, wo Interessierte Platz nehmen können.14.45 Uhr: Auch bei der Hippie-Haus-Demo wird jetzt geredet. Man sei gegen "Gigantismus" und für Kultur für unten, heißt es dort.

14.40 Uhr: Die "Hippies" sind nun auch am Friedensplatz  - und übertönen mit ihrer Musik vom LKW die Redner von CDU, FDP und Bürgerliste bei der Demo zur Bargeld-Affäre. CDU-Parteivize Uwe Waßmann ist mit seinem Redebeitrag vor den 250 Zuhörern nur noch schwer zu verstehen. Er prangert die "Misswirtschaft" im OB-Amt an und äußert erneut Zweifel an der Einzeltäter-These. Waßmann kritisiert, dass noch imnmer keine personellen Konsequenzen in der Verwaltung gezogen wurden. Der OB müsse "mit eisernem Besen kehren" oder - wenn er dazu nicht bereit sei - selbst zurücktreten. Inzwischen hat Frank Hengstenberg als CDU-Ratsfraktionschef das Mikrofon übernommen. Er stellt fest, dass die vierstündige Beratung im Ausschuss am Vormittag überhaupt nichts Neues gebracht habe.

Demo1
Ca. 150 Hippies demonstrierten auf dem Friedensplatz.
Foto: Blaß
14.20 Uhr: Während der Hippie-Haus-Protestmarsch noch unterwegs ist, haben sich auf dem Friedensplatz gut 200 Demonstranten versammelt, die dem Aufruf von CDU, FDP und Bürgerliste zum Protest gegen den Umgang der Stadtspitze mit der Bargeld-Affäre gefolgt sind. Parteieinvertreter verteilen überdimensionale Geldscheine, die die Selbstbedienungsmentalität im Umgang mit der Stadtkasse symbolisieren wollen. Gefordert wird eine unabhängige Aufklärung der Vorkommnisse.

13.50 Uhr: Der Protestmarsch für dass Hippie-Haus ist losgezogen. Von der Silberstraße geht es jetzt in Richtung Rathaus.

13.45 Uhr: Vor dem Hippie-Haus gibt es jetzt Live-Musik von der Laderampe eines kleinen Transporters. Inzwischen haben sind rund 50 Demonstranten aus der linken Szene versammelt, die die Forderung der Hausbewohner nach "Freiraum" in Dortmund unterstützen. Wie berichtet versuchen u.a. die Grünen ein Ersatzhaus an anderer Stelle in der Stadt ür die Künstler-WG, die im Haus an der Silberstraße lebt, zu finden. 

Demo
Demonstration der Linken vor dem "Hippie-Haus".
Foto: Andreas Wegener
13.20 Uhr: Während im Rathaus Mittagspause angesagt ist, rüsten sich die Bewohner des Hippie-Hauses an der Silberstraße zum Protestmarsch in Richtung Friedensplatz. Sie wollen vor der Ratssitzung gegen den drohenden Abriss ihres Wohnhauses - heute mit Bildern der dort wohnenden Künstler geschmückt  - demonstrieren, das dem geplanten Einkaufszentrum auf dem Thier-Gelände weichen soll.  Die Weichen dafür stellt der Rat heute.

Außerdem haben CDU, FDP und Bürgerliste für 14.30 Uhr zu einer Protestkundgebung gegen den Umgang mit der Bargeld-Affäre vor dem Rathaus aufgerufen. Und auch die Flughafen-Gegner versammeln sich: Sie wollen mit einer großen Salami in die Bürgerhalle einziehen und Salami-Scheiben "Schlafzeitverkürzung" verteilen. Es wird also eine bunte Mischung von Demonstranten.

 
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