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280 Festnahmen nach rechter Randale in Dortmund
Oli am 1. Mai 2009 19:26 Uhr
DORTMUND Mehrere verletzte Polizisten und Demonstranten, demolierte Polizeifahrzeuge und rund 280 Festnahmen - das ist die Bilanz der rechten Randale in der Dortmunder Innenstadt am Vormittag des 1. Mai. Rund 300 Neonazis hatte zuvor versucht, die Mai-Kundgebung des DGB anzugreifen.
Rechte Randale auf dem Ostenhellweg, 748.jpg
Gut 150 rechte Randalierer setzte die Polizei im Bereich Ostenhellweg und Stefanstraße fest.
Foto: Foltynowicz
Dortmunds Polizeipräsident Hans Schulze sprach von einer "völlig neuen Dimension rechter Gewalt". "Einen Angriff von Neonazis auf eine friedliche Demonstration hat es meines Wissens in Deutschland noch nicht gegeben", stellte Schulze am Abend fest. Und er lieferte damit auch die Begründung, warum selbst die Polizei vom Ausmaß der rechten Gewalt regelrecht überrumpelt worden war.

Das Unheil braute sich schon am Morgen vor dem Dortmunder Hauptbahnhof zu sammen, wo sich gegen 9 Uhr rund 40 Anhänger der rechten Szene versammelt hatten. Eine Stunde später war die Gruppe schon auf 300 Personen angewachsen, die nach den Erkenntnissen der Polizei mit dem Zug zu einer rechten Kundgebung in Siegen aufbrechen wollten.

Doch statt in den Zug zu steigen, zogen die Rechten gegen 10.40 Uhr in die Innenstadt - offenbar auf ein Handzeichen Dortmunder Rädelsführer, wie Polizeipräsident Hans Schulze berichtete. Ihr Ziel: Die Demonstration des DGB zum 1. Mai, die um 11 Uhr auf dem Platz der Alten Synagoge vor dem Opernhaus beginnen sollte.

Angesichts der rechten Horde bat die Polizei um einen vorzeitigen Aufbruch der Demonstranten, die sich schon um kurz vor 11 Uhr auf dem Weg in Richtung Westfalenpark machten. Trotzdem gelang es gut 200 rechten Gewalttätern Teilnehmer der DGB-Kundgebung im Bereich Stadtgarten und Hansastraße massiv mit Holzstangen und Steinen anzugreifen. Noch ist unklar, wie viele Demonstranten dabei verletzt wurden.

Polizeikessel am Ostenhellweg

 Als die Polizeibeamten einschritten, wurden sie Zielscheibe der rechten Gewalt und ebenfalls mit Knallkörpern und Steinen attackiert. Dabei wurden fünf Polizisten verletzt, neun Polizeifahrzeuge zum Teil völlig demoliert. Nach und nach verlagerte sich das Geschehen in Richtung Ostwall und Ostenhellweg, wo es den inzwischen verstärkten Polizeikräften gegen 11.30 Uhr gelang, die rechten Randalierer festzusetzen. Rund 150 Personen wurden in der Stefanstraße zwischen Ostenhellweg und Brüderweg eingekesselt, weitere 40 im Bereich Ostenhellweg.

Rechte Randale auf dem Ostenhellweg, 548.jpg
Zahlreiche Anhänger der rechten Szene wurden in Gewahrsam genommen.
Foto: Foltynowicz
Ab Mittags wurden die rechten Randalierer mit Bussen der Stadtwerke ins Polizeigewahrsam abtransportiert, was bis in die frühen Abendstunden andauerte. 20 Jugendliche wurden ihren Eltern übergeben. Auf dem Gelände der früheren Thier-Brauerei wurden später weitere 38 Neonazis festgesetzt.

Gegen die vorübergehend Festgenommenen wird wegen des Verdachts auf Landfriedensbruch ermittelt, erklärte Polizeipräsident Hans Schulze am Abend. Zum Beleg der Straftaten gebe es zahlreiche Videobeweise.

Friedliche Mai-Kundgebung im Westfalenpark

Die Mai-Kundgebung des DGB im Westfalenpark fand mit mehreren tausend Teilnehmern friedlich und ungestört statt. Doch auch hier war die Betroffenheit über die rechten Angriffe zu spüren. Der DGB-Bezirksvorsitzende Eberhard Weber sah darin vor allem ein Fanal für den angekündigten rechten Aufmarsch am 5. September in Dortmund. "Wenn das der Auftakt für den Nazi-Aufmarsch im September sein sollte, dann ist es Zeit, dass die Bürger unserer Stadt die Straßen und Plätze besetzen. Das ist unsere Stadt", erklärte er unter dem Beifall der Kundgebungsteilnehmer. Nicht zuletzt sind die Vorkommnisse für Weber auch erneuter Anlass, ein Verbot des rechten Aufmarsches durch den Polizeipräsidenten zu fordern.

Schulze deutete am Abend denn auch an, dass die Polizeiführung die Lage neu bewerten werde. Bislang habe das Bundesverfassungsgericht mehrfach Verbote gekippt, weil von rechten Demonstranten keine Gewalt ausgegangen sei. "Wir haben jetzt eine neue Möglichkeit der Bewertung", bilanzierte der Polizeichef.

 
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