Interview mit Philipp Burger: "Freiwild"-Sänger: "Ich verachte Nazis aufs Tiefste"
DORTMUND Donnerstag eröffnen die Südtiroler Deutschrocker „Freiwild“ in der Westfalenhalle ihre neue Konzerttournee. Der Sänger Philipp Burger stellt sich im Interview dem Vorwurf, die Band bediene mit interpretationsfähigen Texten die rechte Szene. Nazis, die mit einer Eintrittskarte in die Konzertarena wollen, will Burger nicht dabei haben - und ihnen persönlich das Eintrittsgeld erstatten.
Die Band Freiwild tritt am Donnerstag in den Westfalenhallen auf. Sänger Philipp Burger (r.) will mit seiner Band keine Plattform für Nazis sein. (Foto: frei-wild.net)
- Konzerthaus Dortmund Philharmonia Orchester aus London wünschte dem BVB viel Glück
- Fußball: Westfalenliga ASC unterliegt Absteiger - Wickede erleidet Rückschlag
- Fußball: Westfalenliga Vorfreude und breite Brust beim FCB
- Rennbahn Krzysztof-Penderecki-Orchester gibt Konzert auf der Rennbahn
- Flughafen 200 Fans verabschieden die BVB-Stars am Airport
Auch die Dortmunder SPD ist entsetzt und hat eine Stellungnahme veröffentlicht.
Aktualisierung, Mittwoch (31.10.), 12.15 Uhr
Auch das Bündnis "Dortmund Nazifrei" sowie Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau haben am Mittwoch Stellungnahmen zum Auftritt von "Freiwild" in den Westfalenhallen abgegeben.
OB Sierau schreibt: "Weder die Stadt Dortmund noch - nach meiner Kenntnis - der Aufsichtsrat der Westfalenhallen Dortmund GmbH waren im vorhinein über das Konzert von Frei.Wild informiert. Sollte die Gruppe bei ihrem Auftritt rechtsextremes Gedankengut äußern oder sollte ihr Auftritt zu einem Kristallisationspunkt für rechtsextreme Manifestationen werden, ist die Band in Dortmund nicht willkommen."
Das Interview mit "Freiwild"-Sänger Philipp Burger
Herr Burger, auf zahlreichen Seiten im Internet wird Freiwild als rechtslastig beschuldigt. Sind Sie ein Nazi? Waren Sie einer?
Burger: Nein, ich bin kein Nazi. Ich verachte Nazis aufs Tiefste. Die Geschichte zeigt doch, dass ich da richtig liege. In meinem Empfinden als Mensch sollte das auch ein Selbstverständnis sein. Richtig ist, dass ich in meiner Jugend ein Skinhead und patriotisch war. Patriotisch bin ich auch heute noch. Wir Südtiroler haben aber ein anderes Heimatgefühl als die Deutschen. Das Wort Heimat hat in unseren Ohren einfach einen anderen Klang. Wie in sämtlichen Ländern der restlichen Welt.
Sie waren Skinhead. In Dortmund sind Mitglieder der Skinheadfront Dorstfeld für brutale Gewalttaten bis zum Tod eines Punkers verantwortlich. Haben Sie derartige Straftaten begangen?
Burger: Nein, natürlich nicht. Ich habe nicht einmal wegen Handgreiflichkeiten eine Anzeige bekommen und hatte auch sonst nie juristische Probleme. Ich bin jetzt 32 Jahre alt, meine Zeit als Skinhead liegt über 15 Jahre zurück und ich muss klar bekennen: Ja, ich hatte diese Zeit, in der ich dieses rechtsextremistische Gedankengut in mir hatte. Mit der Pubertät hat sich das in Luft aufgelöst. Ich bin enorm dankbar, dass die Justiz in Italien diese Szene damals genau im Auge hatte.
Und wie erklären Sie sich, dass Sie als Band nach wie vor der rechtsextremen Szene zugeordnet werden?
Burger: Eine Band, die deutsche Texte singt, kann man schnell in diese Ecke drängen, denn Rechtsrockbands kommen oft aus Deutschland. Man kann einer in Deutschland erfolgreichen Band schnell Schaden zufügen. Das geht dann am besten mit der Nazi-Keule. Nahezu jede Volksmusik-Kapelle singt über Heimat, zum Beispiel die Kastelruther Spatzen. Nur spielen diese mit Ziehharmonika und Akustikgitarre.
Sie waren Sänger der Band „Kaiserjäger“. War das eine Naziband, wie es auf zahlreichen Seiten im Internet nachzulesen ist?
Burger: Nein, das war keine Naziband, sondern eine Band von drei Jugendlichen, die darin ein dreiviertel Jahr lang Akkorde geübt hat. Es ging um Liebe, Freundschaft und Alkohol.
Textet Freiwild bewusst harmlos, um nicht mit dem Strafgesetzbuch in Konflikt zu geraten? Übermitteln Sie auf diese Weise verklausuliert rechtsextremistische Botschaften?
Burger: Nein. Das würde bedeuten, dass wir uns absichtlich zweischneidig bewegen würden. Wir nennen die Dinge zu 100 Prozent bei vollem Namen und verschleiern nichts. Wenn mir irgendjemand sagen kann, dass auch nur eine Passage rechts wäre: Bitte her damit. Wir werden darauf reagieren.
Mehrfach hat sich „Freiwild“ gegen politischen Extremismus positioniert. Ein strategischer Schachzug, um salonfähig zu werden?
Burger: Nein. Denn wir wissen, wohin Rechtsextremismus führen kann. Und wir wissen auch, dass wir für gewisse Leute eine Vorbildfunktion haben. In erster Linie aber verabscheuen wir jegliche Form von Extremismus.
Es ist nicht auszuschließen, dass Neonazis das Konzert in der Westfalenhalle besuchen. Was ist ihre Botschaft an die?
Burger: Meine Botschaft an diese Konzertbesucher: Wir wollen euch nicht haben. Wir wollen nicht, dass ihr unsere Fans seid. Wir verzichten auf euer Geld beim Merchandising und beim Kartenverkauf. Ich gebe jedem persönlich die 35 Euro Eintritt gerne zurück, der mit meiner Botschaft nicht klarkommt. Dieser Auftritt ist eine große Chance für uns als Band und die Crew, um Flagge gegen Rechtsextremismus zu zeigen. Wir wollen und wollten noch nie eine Plattform für Nazis sein.








































