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Medienhaus Lensing
09.02.2012 18:05 Uhr
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Stolpersteine: Brackel ist jetzt Teil eines großen Netzwerks des Gedenkens

BRACKEL Karl Mörchel war Kommunist, Jude, Untergrundaktivist – vor 67 Jahren wurde er zusammen mit seinem Bruder Erich von den Nazis verhaftet. Wenig später waren beide tot. Seit Donnerstag erinnert vor seinem letzten Wohnort im Brackeler Eicktelgenweg ein „Stolperstein“ an seine Ermordung.Von Eike Risto

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Der neue "Stolperstein" in Brackel. (Foto: Eike Risto)

Etwa 40 Menschen hatten sich trotz Schnee und Kälte vor dem Haus Eicktelgenweg 10/12 versammelt. Sie wurden Zeuge, als der Kölner Künstler Gunter Demnig Mörchels Stolperstein im Asphalt des Gehweges versenkte.

„Hier wohnte Karl Mörchel“, ist darauf zu lesen, „Jg. 1903, verhaftet 1934, ermordet 1945 in der Bittermark.“
Der Eicktelgenweg ist damit Bestandteil des weltweit größten dezentralen Mahnmals für die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung.

33.000 Steine in 27 deutschen Städten

Die Stolpersteine sind Demnigs Lebenswerk, mehr als 33.000 hat er nach eigenen Angaben bereits verlegt, fast alle eigenhändig. In mehr als 700 Kommunen in Deutschland erinnern die zehn mal zehn Zentimeter großen Messingplatten an die Opfer des braunen Terrors, weitere Steine sind in ganz Europa zu finden. 27 neue Steine setzte Demnig gestern an elf Orten in Dortmund, insgesamt 200 erinnern nun im gesamten Stadtgebiet an die Verschleppten.

„Hier war alles sehr gut vorbereitet. Ich freue mich über das anhaltend große Interesse und darüber, dass es keine Störungen gab“, zeigte sich Demnig zufrieden. Die Vorarbeit lag in den Händen von Schülern der Geschwister-Scholl-Gesamtschule, die sich anlässlich des Projekts „Schule ohne Rassismus“ mit der Geschichte von Verschleppten im eigenen Stadtbezirk beschäftigen.

Zwölftklässler entwickeln "Hör-Führung" zum Thema

Verbindungslehrer Klaus Lenser, der die Erinnerungsarbeit der Zwölftklässler in seinem Geschichtsunterricht begleitet, plant bis Ende des Schuljahres in Zusammenarbeit mit dem Stadtjugendring einen „Audioguide“ zu den 17 Brackeler „Stolpersteinen“.

Diese geführte Tour zum Hören soll die Lebensgeschichten und Schicksale der Brackeler Opfer erzählen und wird nach ihrer Fertigstellung dem Stadtjugendring zur Verfügung gestellt. Die Texte werden von den Schülern selbst recherchiert und gesprochen.

Die Niederlegung des Stolpersteins war ein besonderer Moment für die Schüler, aber längst nicht die letzte Station des Erinnerns: Am Karfreitag wollen sie bei der zentralen Gedenkfeier am Mahnmal Bittermark zur Freundschaft zwischen den Völkern aufrufen.


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