Schwimmen: Bei Grün geht`s los: Gehörlosen-EM im Dortmunder Südbad
DORTMUND Hallo, wo bitte geht‘s hier zur Europameisterschaft? Der freundliche ältere Herr im Foyer des Südbades zückt hinter seinem Wertmarken-Schalter die Achseln. Er versteht mich nicht, deutet aber mit einem Kopfnicken ins Innere.
Die Startampel (links) steht auf grün, also los geht's für Europas beste gehörlose Schwimmer. (Foto: DGS)
- Fußball: 3. Liga BVB II-Stürmer Boyd steht vor Wechsel
- Tennis-Bundesliga Für TG Westfalia beginnt Kampf um den Klassenerhalt
- Golf Könige des Grüns suchen neuen Stadtmeister
- Rudern Deutschland-Achter zur Generalprobe nach Luzern
- Dortmunder Fußball-Kreisligisten SV Berghofen gerettet - Spiekermann wechselt zu SF Nette
Hörverlust von mindestens 55 Dezibel
Drinnen machen sich gerade acht Athleten für ihren 1500-Meter-Vorlauf bereit. Allesamt Sportler, die auf beiden Ohren einen – ärztlich bestätigten – Hörverlust von mindestens 55 Dezibel haben, die nicht mehr alle Frequenzen, alle Höhen und Tiefen wahrnehmen. Sie dürfen an Gehörlosen-Wettbewerben teilnehmen. Aber einmal praktisch gefragt: Wie hören diese Schwimmer den Startschuss?
Hier kommt Peter Thiele, Fachwart des Gehörlosen-Schwimmverbandes, ins Spiel. Er hat die Lösung – und zwar selbst erfunden. In Heimarbeit bastelte der Dresdner eine Ampel, etwa 40 Zentimeter hoch und mit vier anknipsbaren Farben versehen. Neben jedem Startblock steht eine dieser kabellosen, funkgesteuerten Röhren. Leuchtet es weiß, heißt das: Bitte fertigmachen. Bei „Rot“ klettern die Schwimmer auf den Startblock. Orange bedeutet „Achtung, fertig“ und Grün schlichtweg „los“.
Talentsuche schwer
Ein Hupsignal gibt es nach wie vor, doch inzwischen schauen die Gehörlosen konzentriert auf die Ampel. Peter Thiele ist stolz, bedeutet seine – zum Patent angemeldete – Erfindung doch für die Sportler eine große Erleichterung. „Wir müssen nun nicht mehr den Kopf zum Starter verdrehen“, sagt Deutschlands bisher erfolgreichster EM-Teilnehmer 2010, Björn Koch (22/Essen). Der ausrichtende Sportverband DGS, mit zwölf Schwimmern zwischen 12 und 30 Jahren angetreten, liegt vor dem heutigen Schlusstag auf Rang drei der Mannschaftswertung hinter der Ukraine und Russland.
„Früher waren deutsche Gehörlose Weltspitze, da wollen wir wieder hin“, sagt der Dortmunder Ivan Rupcic, DGS-Vizepräsident Sport und Chef der EM-Organisation. Eine an sich erfreuliche Entwicklung – die Integration gehörloser Kinder in den normalen Schulbetrieb – macht dem DGS die Talentsuche zunehmend schwer. So müssen’s – noch – die Routiniers richten wie Nicki Lange (30), der gestern nach 1500 Metern als Vorlauf-Zweiter anschlug. Sein Blick ging hoch auf die Zuschauertribüne. Dort hoben sich viele Arme zum stillen Gruß. Applaus angekommen!













