Dortmunder Turngemeinde: Kampfkunst ohne Grenze: Aikido Gruppe im Westjordanland
DORTMUND Sport verbindet. Und das auch über politische und gesellschaftliche Grenzen hinaus. Diese Erfahrung konnten drei Frauen der Aikido-Gruppe der Dortmunder Turngemeinde (DTG) im Westjordanland jetzt hautnah machen.
Die Aikido-Gruppe der Dortmunder Turngemeinde unterstützt ein Friedensprojekt im Westjordanland. (Foto: Verein)
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Voller Stundenplan
Dazu machte sich das Trio auf den Weg Richtung Israel. Mit dem Flugzeug ging es zunächst nach Tel Aviv. Hier trainierten die Dortmunderinnen mit dem renommierten Aikido-Lehrer Kessler in seinem „Dojo“, den sie zuvor in internationalen Seminaren kennen gelernt hatten. Zehn Tage Aufenthalt in der israelischen Großstadt bedeuteten für die Frauen einen vollen Stundenplan.
„Da hieß es, um 5.30 Uhr aufzustehen und täglich zu trainieren – zwei Einheiten mit dem Schwert und eine Einheit Meditation standen jeweils auf dem Programm“, erzählt Sabine Spatz, die selbst als Aikido-Trainerin tätig ist. „Es war ein Tag von gefühlten 36 Stunden“, meint Susanne Richter. Und es sollte noch viel intensiver werden. Unter anderem durch einen eintägigen Aufenthalt im Westjordanland. Schon die Anreise war alles andere als gewöhnlich. Nach einer mehrstündigen Fahrt hielt der Bus vor einem besonderen Schauplatz in Jerusalem an.
Zu Fuß über die Grenze
Der Checkpoint vor der israelischen Sperranlage, eine acht Meter hohe Betonmauer, beschmiert mit Graffitis und Parolen. Zu Fuß geht es für die Deutschen hinüber auf die andere Seite. „Für uns war das einfach. Für Israelis und Palästinenser ist das nur mit bestimmten Unterlagen möglich“, sagt Richter. Auch der Bus muss vor der Grenze halten. Erinnerungen an die deutsche Geschichte kommen hoch: „Diese Mauer ist größer als die Berliner Mauer, aber genauso beeindruckend und erschreckend“, sagt Dagmar Uttich.
Am Zielort Bir Nabala im Westjordanland angekommen, können die drei Frauen das Erlebte erst einmal schnell hinter sich lassen. „Wir wurden sehr herzlich begrüßt“, so Richter. Und im „Dojo“, der Trainingsstätte von Miles Kessler, sowie beim gemeinsamen Aikido, fühlen sie sich direkt heimisch. „In einem völlig fremden Land ist in der Halle doch alles gleich, und jeder weiß, was der andere macht“, betont Richter. Dieses Gemeinschaftsgefühl soll mit dem Projekt „Aikido Without Borders“ (Aikido ohne Grenzen) gestärkt werden.
Angriffe neutralisieren
In dem Programm organisieren sich die im Nahostkonflikt stehenden Israelis und Palästinenser untereinander. Im Vordergrund steht, gemeinsam den Sport zu praktizieren. Eine Kampfkunst, in der ein Angriff nicht mit einer Gegenaggression abgewehrt, sondern neutralisiert wird. In einem Konfliktgebiet eine regelrecht friedensfördernde Maßnahme, die von der US-Botschaft unterstützt wird. Und von der Dortmunder Turngemeinde, die durch das Frauen-Trio um Trainerin Sabine Spatz im Westjordanland vertreten wurde.
„Mich hat es sehr gefreut, dass meine Sportart auch in so einem Land trainiert wird“, resümierte Susanne Richter. Dagmar Uttich war überrascht vom Umgang der Menschen miteinander – trotz vieler gesellschaftlicher Konflikte: „Ich hatte zunächst Bedenken. Aber es ist anders, als man es aus den Medien kennt. Es wurde auf die menschliche Ebene runtergebrochen.“ Die herzliche Gastfreundschaft ist ein Grund mehr dafür, dass das Dortmunder Trio schon jetzt den nächsten Besuch im Westjordanland plant. Im kommenden Herbst soll es wieder nach Israel gehen. Sport verbindet eben.













