Missbrauchsfälle in der Kirche: Dorstfelder Pastor im Interview
DORSTFELD Seit Wochen häufen sich die Nachrichten über Missbrauch in der katholischen Kirche. "Keine leichte Zeit für die Seelsorger in den Gemeinden", sagt Pastor Christian Conrad. Mit Redakteur Matthias vom Büchel sprach er über Generalverdacht und seinen Alltag im Pastoralverbund Dorstfeld.
Pastor Christian Conrad aus Dorstfeld. (Foto: Bandermann)
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Conrad: Nach den Fällen in Amerika und Irland hätte man es vermuten können.
Sind Sie selbst jemals beruflich mit der Thematik "Missbrauch" in Berührung gekommen?
Conrad: Nein. Im Rahmen der Ausbildung hat man uns damals lediglich geraten, auf genügend Distanz zu Kindern und Jugendlichen zu achten, damit solche und ähnliche Vorwürfe nicht entstehen. Aber das ist natürlich nicht immer so leicht.
Wie meinen Sie das?
Conrad: Zum Beispiel bei der Beichte. Da ist man mit einem Kind oder einem Jugendlichen allein. Oder vor dem Gottesdienst in der Sakristei, wenn nur ein Messdiener da ist.
Wie wollen Sie künftig mit Kindern und Jugendlichen umgehen?
Conrad: Ich glaube es wird generell zu mehr Distanz kommen. Denn ich überlege mir natürlich: Kann ich noch mit Messdienern schwimmen gehen? Übernachte ich bei Jugendfahrten noch im gleichen Haus? Oder: Soll ich ein Kindergarten-Kind auf den Arm nehmen?
Wird darüber auch in der Gemeinde gesprochen?
Conrad: Es gibt Andeutungen. Man spürt, dass das Thema unterschwellig präsent ist. Die Leute hören jeden Tag davon und sind natürlich auch verunsichert. Das macht es für uns Priester schwierig. Die kleinste unwesentliche Sache könnte falsch gedeutet werden. Und wer glaubt dann in dieser aufgeheizten Stimmung einem Priester?
Conrad: Nein, ich glaube, die Leute wollen keine Ant- wort von mir, sondern von höherer Stelle. Außerdem macht mich die Thematik betroffen.
Inwiefern?
Conrad: Ich bin betroffen, weil den Opfern ein fürchterliches Unrecht geschehen ist. Aber auch weil ich mich frage, warum die Kirchenleitung nicht gehandelt hat, als die Fälle vor vielen Jahren frisch waren. Und ich bin betroffen, wegen des Schadens, den unser Glaube erleidet.
Jetzt haben die Äußerungen des Dorstfelder Bezirksbürgermeisters Friedrich A. Roesner den Ton in der Diskussion deutlich verschärft.
Conrad: Herr Roesner hat ja gleich alle Christen pauschal angegriffen.
Ist er für Sie als Bürgermeister noch tragbar?
Conrad: Er ist ja im Amt auch mit den Stimmen einer Partei, die das "C" im Namen trägt. Da er aber Christen nicht vertraut, müsste er seine Konsequenzen ziehen.
Glauben Sie, dass die Kirche in Kürze eine Strategie gegen den Missbrauch präsentieren wird, die auch Ihre Arbeit vor Ort wieder erleichtert?
Conrad: Es wird sicherlich daran gearbeitet. Aber wann es kommt?
Die Politik plant einen Runden Tisch.
Conrad: An dem die Kirche nur ein Vertreter ist. Was auch richtig ist. Weil sexueller Missbrauch trotz der momentanen Enthüllungen nicht allein ein Kirchenproblem ist. Und erst wenn überall nicht mehr verschleiert, sondern sofort Recht gesprochen wird, wird es besser werden.















