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Medienhaus Lensing
15.01.2012 14:20 Uhr
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Konzert von Matthias Eisenberg: Ein Meister an der Orgel

LÜTGENDORTMUND Wenn Matthias Eisenberg an der Orgel sitzt, gibt es kein Halten mehr. Seine Finger rennen prügelnd die Tasten entlang, seine Füße wüten über das Pedal und die Orgel schreit, ruft, singt, um diesem verrückten Virtuosen auf ihrer Bank gerecht zu werden.Hannah Schmidt

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Der Virtuose an der Orgel. (Foto: Stephan Schütze)

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Das pure, wilde Temperament bricht aus dem sonst introvertiert wirkenden Matthias Eisenberg heraus, sobald er an einer Orgel sitzt: Diesmal war es die in der Lütgendortmunder Bartholomäuskirche. Und sie hat es irgendwie geschafft, sich zu bewähren. Bereits das dritte Mal war der 2003 zum Professor ernannte Zwickauer in Lütgendortmund zu Gast und spielte Werke von Matthias Weckmann, Dietrich Buxtehude, Johann Sebastian Bach und Joseph Gabriel Rheinberger.
 
Pedalsolo

Höhepunkt des Abends waren aber seine Improvisationen – frei nach „das Beste kommt zum Schluss“ – am Ende des Konzertes. Zuvor jagte Eisenberg jedoch die Präludien, Fugen, Toccaten und Sonaten der bekannten Barock- und Romantikkomponisten über das Instrument, viele davon in einem ungeheuren Tempo: beispielsweise das Pedalsolo in Bachs Toccata in F wurde so zu einem virtuosen Lauf, den wohl kaum ein durchschnittlich guter Organist so sauber hätte spielen können.

Beachtlicher Klangteppich
 
Auch die Fuge aus Rheinbergers Pastoral-Sonate war nicht mehr wirklich melodiös, sondern wurde zu einem beachtlichen Klangteppich, durchzogen von vielen, sehr schnellen und technisch einwandfrei gespielten Melodielinien. An manchen Stellen schien er sich selbst überholen zu wollen – man hörte, wie er sich zu zügeln hatte. So ergaben sich ein paar Schwierigkeiten beim Halten des Tempos: zwischendurch stockte es, dann rannte er wieder, spielte manches sehr hektisch, anderes dagegen gezwungen ruhig.
 
Improvisationen

Erst in seinen Improvisationen schien er wirklich aufgehen zu können. Anders als mit dem Wort „genial“ wird man diese Improvisationen nicht beschreiben können: er kombiniert eingängige Melodien mit interessanten harmonischen Wendungen und Verzierungen und natürlich einer Menge Läufen sowohl in der Hand als auch im Fuß. Unter anderem improvisierte er komplexe Fugen, wofür viele Komponisten tagelang mit zerkautem Bleistift in der Hand an Klavier und Notenpapier sitzen. Am Schluss durften die Zuhörer sich ein Lied wünschen, das er nur mit der Melodie aus dem Gesangbuch als Orientierung in einer fast fünfminütigen Improvisation durchführte und verarbeitete.

Stehende Ovationen

Ein dankbarer Applaus mit Standing Ovations war die verständliche Reaktion. Auf die Frage übrigens, wie man so improvisieren lerne, antwortete der 55-Jährige salopp: „Begabung. Und ein bisschen üben - ’den Computer füttern‘ - muss man auch.“ Analytisches Studium sei außerdem wichtig.
Trotzdem: wenn es so einfach wäre...


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