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Medienhaus Lensing
25.02.2012 06:54 Uhr
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Nach Zwangsversteigerung: Hannibal-Mieter warten vergeblich auf Sanierung

DORSTFELD Die Mieter des Hannibal-Hochhauses in Dorstfeld warten auch drei Monate nach der Zwangsversteigerung des Gebäudes noch auf die Sanierung. Die Zustände im Haus sind teils katastrophal. Ob und wann saniert wird, ist trotzdem noch immer nicht klar.Von Caroline Biallas

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Hannibal-Bewohner Martin Illert erinnert sich noch an bessere Zeiten, in denen Mängel im Haus zeitnah beseitigt wurden.  (Foto: Caroline Biallas)

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Drogenreste im Treppenhaus, uralte Aufzüge, fleckige Wände: Die Hannibal-Mieter müssen weiter auf eine Grundsanierung warten. Das Dorstfelder Hochhaus wurde zwar im Dezember zwangsversteigert, doch zum offiziellen Eigentümerwechsel kam es bislang nicht.

Fotostrecke So sieht es im Hannibal-Hochhaus aus



Die Probleme im Hannibal-Koloss sind auf Anhieb im Treppenhaus sichtbar: Alufolie, Streichhölzer und bräunliche Krümel sind kreuz und quer auf der Treppe verteilt, überall schwarze Rußflecken – die Überreste einer Heroinzubereitung. Nur 50 Meter weiter, im anderen Trakt des Hochhauses, werden Kinder betreut; Bilder und bunte Buchstaben hängen an den Fensterscheiben.

Zeiten haben sich geändert
 
Martin Illert ist 54 Jahre alt, Taxifahrer und wohnt seit 16 Jahren in dem 60-Meter-Hochhaus. Gemeinsam mit Ehefrau Silvana und Tochter Stella lebt er in der neunten Etage, einer gemütlichen dreistöckigen Wohnung mit blauem Teppichboden und Balkon mit Panoramablick.
„Zu Dogewo-Zeiten haben wir hier gut gelebt“, sagt Illert über die Wohnungsgenossenschaft, die früher für das Gebäude verantwortlich war. Wenn etwas im Haus kaputt war, dauerte es nicht lange und eine Firma rückte an, um die Mängel zu beseitigen. Die Zeiten haben sich geändert. 

Die Besitzer des Hauses wechselten mehrmals. Seither werde viel versprochen, aber nichts umgesetzt. „Und die Fassaden, der Eingangsbereich und die Treppenhäuser müssten dringend renoviert werden“, sagt Illert.
 
Eigene Verwaltung
 
Die Vorgeschichte des Betonbaus ist ebenso komplex wie sein Aufbau: Ursprünglich wurde das Hochhaus mit den 412 Wohneinheiten in den Siebziger Jahren als sozialer Wohnungsbau von der städtischen Wohnungsgesellschaft „Dogewo“ gebaut. Die verkaufte den Bau 2004 an Janssen & Helbig.

Das Unternehmen hatte in Dortmund und anderen Städten Hochhausanlagen aufgekauft, wurde jedoch kurz darauf insolvent. Seit fünf Jahren wird der Hannibal vom Steuerberatungsbüro Rosenbaum zwangsverwaltet. 

Wegen Betrugs verurteilt

Im Dezember 2011 wurde der ehemalige Janssen & Helbig-Geschäftsführer, der sich als „Dr. Schneider“ ausgegeben hatte, wegen Betrugs zu sieben Jahren Haft verurteilt. Daraufhin ersteigerte die Berliner „Lütticher 49 Properties GmbH“ die Immobilie für sieben Millionen Euro – eine Summe, fast doppelt so hoch wie der Wert des Objektes. Fast drei Monate sind vergangen, verändert hat sich für die Mieter nichts.
 
Das Vorhaben des neuen Eigentümers sei undurchsichtig, sagt Dr. Tobias Scholz, wohnungspolitischer Sprecher des Mietervereins Dortmund und Umgebung. Momentan befinde sich das Gebäude noch in den Händen der Zwangsverwaltung, ein konkreter Übergabetermin stehe nicht fest.
 
Keine Stellungnahmen
 
Es zeichne sich aber ab, dass die Grand-City-Gruppe, ein Schwesterunternehmen der gleichnamigen Hotelkette, die Verwaltung des Objektes übernehmen werde. Die Grand City GmbH war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Ebenso blockte Michael Ryan, Mitarbeiter des Steuerbüros Rosenbaum, ab: „Zum Hannibal äußern wir uns nicht.“
 
Die neue Eigentümerfirma, die Lütticher 49 Properties GmbH, besteht laut Scholz aus zwei Männern und einer Frau. Keiner von ihnen spreche jedoch deutsch. Die Firma kann zwar einen Sitz in Berlin vorweisen, verfügt jedoch weder über eine eigene Internet-Seite, noch über eine Telefonnummer.

Auch der Berliner Rechtsanwalt Dr. Holger Lerche, der die GmbH bei der Zwangsversteigerung vertreten hatte, möchte sich zu den Hannibal-Plänen nicht äußern: „Da passiert viel, aber zum jetzigen Zeitpunkt können wir dazu nichts sagen.“

Warten auf bessere Zeiten
 
Für Martin Illert und die anderen Mieter ist das nichts Neues. „Wir sind das ja schon gewohnt“, sagt der 54-Jährige gelassen. Er kenne den neuen Eigentümer nicht, also könne er nur abwarten.
 
Warten also auf bessere Zeiten im Hannibal – mit vernünftiger Wärmedämmung, zuverlässigen Fahrstühlen und frisch gestrichenen Treppenhäusern. Ohne Drogenreste. 


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