Kandaouroff-Prozess: Angeklagter gesteht: "Ich schäme mich"
BOCHUM/HALTERN Jetzt ist auch das letzte Schweigen gebrochen: Im Prozess um den dramatischen Kopfschuss-Tod von Seehof-Hotelier Klaus Kandaouroff (80) haben nach dem Todesschützen Mladen P. auch dessen zwei Komplizen Michael M. und Volker H. zugegeben, an dem tödlichen Überfall in der Millionärsvilla beteiligt gewesen zu sein.
Der Angeklagte Volker H. (r.) aus Haltern neben seinem Anwalt Hans Reinhardt. (Foto: Werner von Braunschweig)
Erstmals seit seiner Festnahme vor sieben Monaten äußerte sich auch der Halterner Volker H.: „Es tut mir entsetzlich leid, was geschehen ist“, hieß es in der Erklärung des 47-Jährigen, die sein Verteidiger Hans Reinhardt in seinem Namen verlas. Bislang hatte H., ein Autohändler und Oldtimer-Importeur, als einziger Verdächtiger durchweg geschwiegen. Mit Blick auf seine Täter-Rolle erklärte der 47-Jährige: „Meine Aufgabe bestand nur darin, die beiden zu dem Hof zu fahren und später wieder abzuholen. Mehr sollte ich nicht machen.“
Obwohl selbst ohne die geringsten Geldprobleme, will Volker H. sich von seinem Freund, dem ständig klammen Kellner Mladen P. (43), irgendwann zu einem Raubüberfall auf den wohlhabenden Klaus Kandaouroff „breitschlagen lassen“ haben. Zum Abholen seiner Freunde sei es wegen des tödlichen Kopfschusses auf den 80-jährigen Hotelier dann aber gar nicht mehr gekommen. Noch bevor er das Anwesen in Datteln-Klostern erreicht habe, berichtete Volker H., habe ihn damals bereits „ein Polizeifahrzeug überholt“. Während das Blaulicht-Auto auf den Hof Kandaouroff eingebogen sei, sei er „einfach weiter gefahren“.
Auf Bewaffnung bestanden
Sowohl Michael M. als auch Volker H. beteuerten am vierten Prozesstag, sich schon im Vorfeld des Coups massiv und strikt gegen die Mitnahme einer Schusswaffe ausgesprochen zu haben. Der spätere Todesschütze Mladen P. habe jedoch auf eine Bewaffnung bestanden und gedrängt – angeblich aus Angst vor einem potenziellen Wachhund. Dass P. am Tatabend tatsächlich einen durchgeladenen Revolver dabei hatte, wollen die Komplizen M. und H. so nicht gewusst haben.
Der Hauptangeklagte Mladen P. hatte vor einer Woche zugegeben, am 29. Mai 2010 versehentlich den tödlichen Kopfschuss auf den Gastronom und Geflügelunternehmer abgefeuert zu haben. „Ich hatte die Waffe in der Hand, drehte mich um und in dem Moment knallte es“, hieß es. P. muss sich im Prozess darüber hinaus wegen eines Raubüberfalls auf eine Bochumer Anwaltswitwe im Januar 2006 verantworten. Auch diese Tat hat der 43-Jährige bereits in weiten Teilen eingeräumt. Alle Angeklagten könnten im Prozess zu lebenslanger Haft verurteilt werden.


















