Caritasverband: Möbel-Kaufhaus muss schließen
HALTERN Haltern hat weniger als 1000 Arbeitslose, die Konjunktur blüht, aber Erwerbslose im Hartz IV-System werden weiter abgehängt. Als Folge drastischer Sparmaßnahmen bei Ein-Euro-Jobs muss das Möbel-Kaufhaus am Münsterknapp zum 31. März schließen.
Arbeitskräfte fehlen
Angebot und Nachfrage sind da. Aber es fehlen die Arbeitskräfte, die Möbel bei den Anbietern abholen können. Mangelnder Umschlag verringert die Attraktivität des Kaufhauses, der Umsatz ist inzwischen eingebrochen.
Am 31. März läuft der Mietvertrag aus. „Unsere Suche nach einer günstigen Alternative blieb bislang erfolglos“, sagt Willi Grave. Das wäre ein vorübergehender Rettungsanker zumindest auch für die zweieinhalb sozialversicherungspflichtigen Mitarbeiter. „Wir müssen sie sonst in die Arbeitslosigkeit entlassen.“
Kritik an Ein-Euro-Jobs
Als „nutzlos und anfällig für Missbrauch“ hatte der Bundesrechnungshof die Ein-Euro-Jobs kritisiert. Mit der am 1. April wirksam werdenden Instrumentenreform gehen als Folge nicht nur rigorose Sparmaßnahmen einher, auch die gesetzlichen Vorschriften für 1-Euro-Jobs werden verschärft.
Die „Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung“ – wie die Eingliederung von Arbeitslosen auf dem Arbeitsmarkt offiziell heißt – muss wettbewerbsneutral sein, darf weder von öffentlichem Interesse noch zusätzlich sein.
In Arbeitsmarktprogramme investieren
Bei aller Kritik haben Willi Grave und der Caritasverband eine ganz andere Meinung. „Wir müssen so lange in Arbeitsmarktprogramme investieren, bis der letzte Arbeitslose einen Arbeitsplatz hat.“ Nicht jeder finde aus unterschiedlichen Gründen wie z.B. gesundheitliche Einschränkungen oder fehlende Berufsausbildung eine Stelle auf dem 1. Arbeitsmarkt. „Aber hat nicht jeder auch ein Anrecht auf Arbeit?“
Langzeitarbeitslose auffangen
Willi Grave findet die Instrumentenreform zu kurz gedacht. Es gebe genügend Tätigkeiten im gemeinnützigen Bereich, um Langzeitarbeitslose sinnvoll aufzufangen. „Hier wird eine Personengruppe, die Arbeit und Tagesstruktur haben möchte, total vergessen und ins Abseits gestellt“, ärgert sich Willi Grave.
In Haltern sind vor allem Alleinerziehende, Migranten und über 55-Jährige von der Langzeitarbeitslosigkeit betroffen.
Die Caritas beschäftigt Ein-Euro-Jobber im Möbelhaus und aktuell drei in der Radstation. Hier wird auch ausgebildet, ein Absolvent schloss kürzlich als Bester im Bezirk ab. Der Bereich Gartenpflege wird neu strukturiert und als Integrationsbetrieb mit drei Schwerbehinderten und drei Mitarbeitern fortgeführt. Zurzeit wartet der Caritasverband auf Anerkennung durch den Landschaftsverband und auf Zusage von Zuschüssen.
Ausgenommen bleibt die Friedhofspflege. Hier wird der Caritasverband auch künftig Langzeitarbeitslose einsetzen. Sie arbeiten sechs Stunden pro Tag. Die Ein-Euro-Kräfte des Caritasverbandes kommen fast ausschließlich aus Haltern.


















