Zwei Münsterland-Autoren im Speicher: Wenn Dada Plattdeutsch entdeckt
LAER Da treffen sich die gebürtigen Münsterländer Dr. Heinrich von der Haar und Herbert Beesten weit entfernt der Stätten ihrer Herkunft in einem Literaturseminar und entdecken die Verbundenheit zur Heimat und zur plattdeutschen Sprache.
Dr. Heinrich von der Haar und Herbert Beesten. (Foto: Meisel-Kemper)
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Beide pflegen liebevoll die Eigenarten und Unterschiede der plattdeutschen Sprache ihrer Herkunftsorte an diesem aufschlussreichen Abend, den sie beziehungsreich „Twe ut´n Mönsterland“ überschrieben haben.
Der Himmel brennt
In hochdeutscher Sprache mit plattdeutschen Einsprengseln aus Hopsten liest von der Haar aus seinem ersten Roman „Der Himmel brennt“. Hauptfigur ist Heini, der mit zehn weiteren Geschwistern im kleinbäuerlichen Milieu in den 50er Jahren im fiktiven „Steinhop“ aufwächst. Kindheit und Jugend werden von verschiedenen Ängsten bestimmt.
Da ist die Angst in eine fremde Familie gegeben zu werden. Weil Hochdeutsch eine Fremdsprache für ihn ist, wird er in der Schule gemobbt. Alpträume durch biblische Geschichten wie die des Daniel in der Löwengrube und schlagende Lehrer bestimmen Kindheit und Jugend.
Nachdemklichkeit
Berührt und nachdenklich reagieren die rund 30 Besucher auf diese Offenbarungen. Das Weggeben von Kindern an kinderlose Bauern sei eine übliche Praxis gewesen, bestätigt von der Haar im Gespräch mit dem Publikum. Die Prügelstrafe durch Lehrer wurde in NRW erst 1974 verboten, ergänzt der Wissenschaftler von der Haar auf Nachfrage. „Manches habe ich tatsächlich selbst erlebt. Bei der Hauptfigur hatte ich 20 bis 30 Jungs vor Augen, die so etwas erlebt haben“, grenzt er seine eigene Geschichte zum Roman ab.
Expressiver Vortrag
Beesten schreibt und liest seit 2005 eigene Texte, die häufig im modernen konstruktiven Autobahn-Stakkato-Dadaismus abgefasst sind. Allein oder in direktem Wechsel mit der Romanlesung von der Haars trägt er seine kurzen lyrischen Texte vor. Die Expressivität seines Vortrags steigert die Sprache, die aus Lauten Wortschöpfungen hervorbringt, die nur schwer den Zusammenhang erkennen lassen, dem Markenzeichen des modernen Dadaismus.
Andere lyrische Texte sind inspiriert durch Hermann Hesse oder Rainer Maria Rilke, aus deren Gedichten er plattdeutsche Meisterwerke macht. Ein Fluss erhält durch Beesten die Stimme, mit der er seinen verzweifelten Kampf ums Überleben formuliert. Die Natur, Gentechniken und Themen aus Gegenwart und Zukunft sind weitere Themen seiner Lyrik. Der Beifall belohnt das experimentelle Kontrastprogramm der beiden Autoren.














