Heines Wintermärchen: Ein Leben für die Erzählkunst
LÜNEN Seit Anfang der 80er Jahre besitzt Alexander Finkel das abgegriffene Reclam-Büchlein „Deutschland. Ein Wintermärchen“ von Heinrich Heine. Doch ablesen braucht der Erzählkünstler daraus nicht. Seit über 20 Jahren trägt Finkel die 27 Kapitel nicht nur vor, sondern wird quasi eins mit dem Autor.
Augenzwinkernd präsentierte Alexander Finkel in der Lippe Buchhandlung das Versepos "Deutschland. Ein Wintermärchen" von Heinrich Heine. (Foto: Beuckelmann)
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Versepos begeisterte
Mit viel Einfühlungsvermögen interpretierte Alexander Finkel das Heine-Werk und schlüpfte mit vollem Einsatz in die Rolle des satirischen Literaten. Dabei versetzte er die rund 60 Gäste in die Zeit um 1843/44. Heine, der als Jude in Frankreich im Exil lebte, hatte seinerzeit im Winter inkognito eine Reise von Paris nach Hamburg unternommen und dabei Eindrücke gewonnen, die er in 27 Kapiteln, jeweils bestehend aus Vierzeilern, festhielt.
Köln, Hagen und Paderborn
Finkel zog das Publikum in seinen Bann, schloss minutenlang seine Augen und sagte in Kölner Dialekt etwa über die drei Heiligen aus dem Kölner Dom: „Wie Hampelmänner bewegten sie die längst verstorbenen Knochen; Die haben nach Moder und zugleich nach Weihrauchduft gerochen.“ Inbrünstig ballte der Erzähler die Hände zu Fäusten, hechelte wie ein Hund und beschrieb weitere Reise-Stationen, darunter Hagen, wo es Sauerkraut und Stockfisch gab oder das Wirtshaus in Unna. Finkel: „Ein hübsches Mädchen fand ich dort, die schenkte mir freundlich den Punsch ein; Wie gelbe Seide das Lockenhaar, die Augen sanft wie Mondschein.“
Auch das Spiel mit Begriffen wie Himmel und Hölle in Verbindung mit Heines Aufenthalt in Paderborn gehörten zum mehrdeutigen Vortrag. Er brachte die Kritik am herrschenden System zum Ausdruck.



























