Vechte-Fohlen: Nationalspieler Marco Reus kam viel zu spät
METELEN Der auf dem Tisch stehende Christstollen ist schon halb aufgegessen. Zwischendurch werden immer wieder Cola-Kisten hinter die Theke getragen. Der Durst steigt bei den Fans. Irgendwie muss die Zeit ja auch überbrückt werden. Dann ist er doch gekommen, der große Augenblick. Exakt 59 Minuten verspätet betritt Marco Reus die Gaststätte Pieper. Lauter Jubel brandet auf. Dem Liebling aller Möchengladbacher Fußball-Anhänger wird alles verziehen.
Ein jugendlicher Fan mit Reus-Trikot.
(Foto: Joemann)Auch die jüngeren Fans, die sich in die ersten Reihen gesetzt haben, um auch ja alles sehen zu können, applaudieren. Die meisten von ihnen haben Gladbach-Trikots an. Einer sogar ein weißes Hemd mit dem Schriftzug Datsun. Als die japanischen Autohersteller mit dem VfL von 1980 bis 1984 für ihre Marke warben, da war der Junge noch gar nicht geboren. Das Fan-Gen wird offensichtlich vererbt.
Günter Mensing kommt am Anfang ein bisschen ins verbale Straucheln. "Ich bin ein bisschen nervös", gesteht das Vorstandsmitglied der Vechte-Fohlen. Doch das legt sich schnell. Für die Gags in der rund 30-minütigen Frage-Runde ist eindeutig Uwe Krude zuständig. Der Metelener beschwert sich auch bei Marco Reus, "warum die Trikots nur bis zur Größe XXXL gehen". Deshalb muss er sich mit einem schwarzen Vechte-Fohlen-Shirt begnügen. Die Welt ist ungerecht.
Viel Fragen
Marco Reus steht derweil Rede und Antwort. Neue Erkenntnisse entlocken die Fans ihm kaum. Zu sehr drehen sich die Fragen um Dinge, die die Anhänger schon aus dem Fernsehen oder Zeitungen kennen. Der dreimalige Nationalspieler macht einen sympathischen, aber zurückhaltenden Eindruck. Kein Wunder. Schließlich ist der gebürtige Dortmunder erst 22 Jahre alt. Auf dem Platz kennt er sich aus. Vis-a-Vis von über 200 Fans, die jedes Wort ihres Idols aufsaugen, ist noch keine Routine für den Youngster.
Nach Metelen kam er zufällig. Die VfL-Profis wurden vom Verein den Fan-Clubs zu deren Weihnachtsfeiern zugeteilt. "Danke!", ruft einer aus dem Saal. Es ist wie im Pokal: Metelen hat das Traumlos gezogen. Den Traum der Nationalmannschaft hat sich Marco Reus auch schon erfüllt.
Per E-Mail flattert die jeweilige Länderspiel-Einladung in den elektronischen Briefkasten des Gladbachers. Inklusive detailliertem Plan, wie die Woche mit der Nationalmannschaft abläuft. Mit typisch deutscher Genauigkeit.
Es geht locker zu
Lockerer geht's am beschaulichen Niederrhein zu. Die Fans erfahren, dass die Lieblingswörter des Venezuelaners Juan Arango Katastrophe und kaputt sind. So wie die Spielweise in der Hinrunde der vergangenen Saison.
Marco Reus selbst fühlt sich bei der Borussia sehr wohl. Ein Grund: Seine Familie wohnt im relativ nahe gelegenen Dortmund. Und: "Wir machen in der Mannschaft viel Scheiße", sagt der Spieler mit der Rückennummer 11. Während er davon spricht, kommt die Lockerheit eines 22-Jährigen durch, ein echtes Gladbacher Fohlen - jung, wild und unbekümmert. Einer, der die Leichtigkeit des Dortmunders Tomas Rosicky liebte. Der Tscheche ist sein sportliches Vorbild.
Nach der Fragerunde schreibt Marco Reus noch fleißig Autogramme, stellt sich freundlich den Fotowünschen. Doch es ist zu spüren: Die richtige Leichtigkeit versprüht er auf dem Platz. Vielleicht kommt er in ein paar Jahren ja noch einmal nach Metelen. Denn, da hat Uwe Krude für Marco Reus geantwortet: "Er bleibt in Mönchengladbach."











