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Medienhaus Lensing
22.11.2011 18:06 Uhr
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Titus Dittmann: Skateboard-Pionier bringt Lehramts-Studenten Tricks bei

MÜNSTER Die Studenten sitzen auf Bierbänken, der Dozent trägt Pudelmütze und die Hose tief: Seit diesem Semester gibt Skateboard-Pionier Titus Dittmann im Skaters Palace ein Seminar und versucht, den Jugendsport von der Straße an die Universität zu bringen. Lust hatte er darauf zunächst nicht.Von Sebatian Deppe

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Deutschlands Skateboard-Pionier Eberhard "Titus" Dittmann (r) hat den Trendsport Skateboarden an die Hochschule gebracht. Als einer der ersten Skate-Dozenten vermittelt er an der Universität Münster angehenden Sportlehrern sein Wissen. (Foto: dpa)

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Im Hintergrund türmen sich riesige Boxen, aus denen bei Konzerten laute Punk und Hip Hop-Musik dröhnt. Davor sitzen am Dienstagmorgen 20 Studenten der Uni Münster, umgeben von bunten Graffiti. Der Skaters Palace ist in diesem Semester ihr Hörsaal und Dittmann ist ihr Dozent.

Sie sind Teil eines Projekts. Dittmann versucht den Studenten, die Sport auf Lehramt studieren, das Skateboarden beizubringen – für den späteren Unterricht.

Skateboarden als pädagogisches Werkzeug

Wie die Jungfrau zum Kinde sei er dazu gekommen, sagt Dittmann. Schuld daran war sein Skate-Aid-Projekt. Dittmann war in Afghanistan unterwegs, er wollte Skateparks bauen, auch an Schulen, und er wollte, dass diese auch nachhaltig genutzt würden. Er sehe Skateboarden als pädagogisches Werkzeug, sagt Dittmann.

 

Fotostrecke Titus Dittmann unterrichtet an der Uni


An der afghanischen Uni Herat sorgte Dittmann dafür, dass dort Lehrer in der Sportart ausgebildet werden. Dittmann wollte eine Kooperation mit der Uni Münster herstellen und sprach bei Rektorin Nelles vor. „Sie sagte mir, ich solle doch erstmal einen Lehrauftrag annehmen. Darauf hatte ich eigentlich gar keine Lust. Ich habe mit Skate-Aid doch genug Arbeit.“ Aber als sie ihm dann anbot, dass er als Dozent an einer offiziellen Partnerschaft mitarbeiten könne, habe er sofort zugesagt.

Erst Vorträge, dann skaten

Seit diesem Semester steht Dittmann nun in Skatesneakern, Kapuzenpulli und weiten Hosen vor seinen Studenten. Am Dienstag erzählt er von Ollies, 180s und anderen Tricks, während die Anwesenheitsliste herum geht.

In der ersten Hälfte des Seminars halten die Studenten Referate, etwa über soziologische Aspekte des Skateboarden, danach geht es raus in die Halle auf die Bretter. Der Leistungsstand ist sehr unterschiedlich. Einige bewegen sich wie Profis, andere eher ungelenk, sie stehen zum ersten Mal auf dem Brett.

Projekt in der Testphase

Sogar Noten werden am Ende des Seminars verteilt, „allerdings nicht nach objektiven Kriterien, sondern nach der individuellen Leistungsentwicklung“, wie Dittmann sagt. Das Seminar sei ein Projekt in der Testphase.  Die Studenten sollen lernen, ihren Schülern die Sportart näher zu bringen. „In der Schule treffen sie auf Jugendliche in der Orientierungsphase. Skateboarden kann da identitäts- und sinnstiftend sein“, sagt Dittmann.
 
Dittmann ist studierter Lehrer

Auch er ist studierter Lehrer und hat sechs Jahre in dem Beruf gearbeitet, bevor er die Skateboard-Kultur Ende der 70er Jahre nach Deutschland brachte und zum Pionier der Szene aufstieg. Unterstützung bei seiner Dozententätigkeit erhält Dittmann von zwei Mitarbeitern des sportwissenschaftlichen Instituts, sie helfen bei Didaktik und Methodik.

Die Skateboard-Szene gibt sich betont lässig und rebellisch. Doch funktioniert eine Kultur der Straße auch an der Uni? Dittmann glaubt fest daran: „Skateboarding ist die größte und bedeutsamste Jugendkultur der Welt und heute Allgemeingut. Weder die Wissenschaft noch die Schule kann sich ihr verschließen.“


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