Diamantene Hochzeit: Die Hochzeit der Königskinder jährt sich zum 60. Mal
BURGSTEINFURT Es ist eine diamantene Hochzeit besonderer Art: Vor 60 Jahren gab Erbprinz Christian zu Bentheim seiner Sylvia das Ja-Wort. Damals, wenige Jahre nach dem Krieg, war die Hochzeit ein Großereignis. Am 7. August jährt sich die Hochzeit - wir blicken darauf zurück.
Das glückliche Brautpaar vor 60 Jahren. (Foto: Archiv)
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Ein holländischer Reporter schrieb damals über die Hochzeit. Er war beeindruckt - wenn er auch das Essen eher mäßig fand. Fürstin Sylvia zu Bentheim und Steinfurt macht kein Geheimnis daraus: „Mein Lieblingsort ist Gaildorf.“ Anlässlich ihres 80. Geburtstages am 16. Mai schwärmte die Fürstin vom familieneigenen Forsthaus im Ortsteil Buschhof: „Wenn man mitten im Wald vor der Haustür den Sonnenuntergang genießen kann, das ist einfach herrlich.“
Wenige Tage vor ihrer Diamantenen Hochzeit am 7. August hat es das Fürstenpaar wieder in den Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald gezogen. Genau wie vor 60 Jahren, als Erbprinz Christian zu Bentheim und Steinfurt mit seiner frisch angetrauten Frau zur Hochzeitsreise nach Gaildorf aufbrach. In einem hellgrauen Mercedes, mit Blumen verziert, wie ein holländischer Reporter über die damalige Hochzeit in einer niederländischen Zeitschrift berichtete. Es war fünf Jahre nach dem Kriegsende ein großes gesellschaftliches Ereignis, das über die Grenzen hinaus hohe Wellen schlug.
Niederländische Zeitung berichtete
Die verwandtschaftlichen Beziehungen des Steinfurter Fürstenhauses mit dem holländischen Königshaus waren der niederländischen Zeitschrift „De Spiegel“ fünf großformatige Seiten für eine reich bebilderte Reportage wert. Bram van Echt, ein kritischer Reporter, tat sich bei aller Festtagslaune schwer, seinen Landsleuten das Bild eines „neuen“ Deutschland zu malen. „Es ist ein Tag, an dem man alle Probleme von diesem Land verschieben möchte“, schreibt er.
In einem „Deutschland von heute, wo die Verwirrung der Geister hohe Zeit feiert“ sieht der Reporter das zarte Pflänzchen des aufkommenden Wirtschaftswunders keimen. Den lichtgrauen Herrenhut für 22 Mark, den 1948er Mosel für vier Mark oder die Fotogeschäfte, die voll von Kameras liegen notiert der Reporter. Aber letztlich lässt er sich von der unbeschwerten Festtagslaune rund um das Hochzeitsgeschehen einfangen.
Brautschleier mit "goldenem Glanz"
Die Schülerkapelle des Arnoldinums musiziert, Süßigkeiten und Geldstücke fordernde Kinder halten die Hochzeitskutsche mit einem Seil auf und die Honoratioren der Stadt reihen sich zur Gratulationskur auf. Der Brautschleier aus Seide beeindruckt den Berichterstatter: „So alt, dass er einen sanftgelben goldenen Glanz aufweist.“
Bram van Echt erinnert aber auch an die persönlichen Kriegsschicksale der Hochzeitsgesellschaft mit „30 Prinzessinnen und Prinzen, 24 Grafen und Gräfinnen, einem Herzog, sechs Freiherren und Freifrauen und fünf Fürsten.“ „Nicht alle sind unberührt durch diesen Krieg gegangen. Der Bräutigam verlor seinen Bruder, die Braut wurde mit ihren Eltern aus der russischen Zone ausgewiesen.“
Ziemlich mäßiges Menü
Das Menu stuft der Berichterstatter als „ziemlich mäßig“ ein. Um sofort danach das Positive herauszustreichen: „Aber gerade darum vielleicht um so lebensechter“. Das 1950er Hochzeitsmahl: „Kraftbrühe mit Einlage, Seezungenfilet in holländischer Soße und ein 1921er Chateau Margaux, verschiedene Gemüse, Kalbsbraten, Pommesfrites, Salate, Essigbirnen, 1929er Schloß Johannisberger, Fürst-Pückler-Eis und Käsegebäck.“
Auf der Heimfahrt nach Holland lässt der Reporter seinen in Steinfurt gesammelten Eindrücken freien Lauf: „Vorbei an Schloss Bentheim, wo der Kronprinz seine Wohnung nehmen wird, erinnert man sich an das alte Lied ‚Es waren zwei Königskinder’“. Und einen ganz persönlichen Hochzeitswunsch schickt er dem in die Flitterwochen brausenden Paar hinterher: „Das Glück der zwei Königskinder möge dauern, weil die Welt von heute diese Art von Menschenglück wirklich gebrauchen kann.“ Am kommenden Samstag glänzt dieses Glück wie ein nie verblassender Diamant...
















