Musikalische Kömodie: Ilja Richter ließ Komiker Theo Lingen wieder auferstehen
WITTEN "Ein Komiker aus Versehen" war Theo Lingen tatsächlich. Alles andere war indes von ihm genau geplant: Der einstige TV-Parade-Pauker paukte sich jede noch so kleine Geste und Mimik perfekt ein. Ebenso makellos: Die gleichnamige musikalische Komödie der Schauspielbühnen Stuttgart am Freitag im Saalbau mit Ilja Richter in der Hauptrolle.
Hinreißende Inszenierung: Ilja Richter als Theo Lingen: Komiker aus Versehen. (Foto: Saalbau)
Die 350 Gäste der Kulturgemeinde waren ebenso begeistert wie überrascht. "Vieles von dem wusste ich gar nicht über ihn", war da zu hören. Insbesondere die Nazi-Zeit wurde intensiv, sehr persönlich wie auch gekonnt satirisch dargestellt. Der Vater einer Tochter nutzte seine Berühmtheit, um mit Goebbels Hilfe Juden zu retten. Exil kam für ihn nie in Frage.
Der große deutsche Komiker mit unnachahmlich nasalem Akzent und eigentümlicher Schnapp-Atmung war abseits der Bühne sehr ernst, still und lebte zurückgezogen. Als Schauspieler zog sich Franz Theodor Schmitz, so der bürgerliche Name, hinter die Maskerade zurück, wobei ihm Perfektion und liebevolle Detailbesessenheit half. Die glänzende Inszenierung von Ulf Dietrich hob diesen Wesenszug deutlich hervor.
Zwei Theos
Geschrieben wurde das Stück von Tilmann von Blomberg. Er lässt die Zuschauer gleich zwei "Theos" erleben: den jungen und den alten.
Der in allen Belangen restlos überzeugende Gideon Rapp, der den jungen Lingen herausragend verkörperte und ihn in Gestik, Mimik und gerade stimmlich lebensecht nachahmte, studierte die Rolle des Königs in seiner Garderobe bis in die kleinste Einzelheit exakt ein und gab sie auf der Bühne ebenso perfekt wieder.
Von der Neben- zur Hauptrolle
Da Lingen in einer Kleinstrolle der Operette "Gräfin Mariza" komisch überzeugte und nur Lob einheimste, avancierte er zum Komiker wider Willen. Und diesen gab Ilja Richter als alter Theo sehr einfühlsam zwiespältig. Zum einen wollte das Moser-Pendant ("Das Lachen der Zuschauer war Opium für mich, danach war ich süchtig") erfolgreich sein, auf der anderen Seite aber lieber ernste Stücke spielen, was ihm weitestgehend verwehrt blieb.
Diesen Zwiespalt arbeitete Ilja Richter fein heraus. Mit ausdrucksstarkem Spiel mimte er beim Lied "Der Theodor im Fußballtor" das einst von Lingen so toll geformten Spiel der Hände authentisch nach.
Theater-Volltreffer
Diesen Theater-Volltreffer machte die flexibel agierende Katherina Lange perfekt. Vom Drehorgel spielenden Kind über die ungarisch-feurige Gräfin Mariza bis hin zu Bert Brecht verkörperte sie die enorme Bandbreite unterschiedlichster Charaktere. Wie auch Pianist Daniel Große-Boymann, der nicht nur fingerfertig am Flügel klangvoll den Ton angab, sondern auch als verzweifelter Autor, der mit langem Schlussapplaus gefeierten Geschichte den Rahmen gab.























