Zuschuss-Höhe unklar: Stärkungspakt bedroht Wittener Kulturprogramm
INNENSTADT Die kulturellen Highlights im Saalbau sind in Gefahr. Volksbühne und Kulturgemeinde können sie nicht mehr bezahlen, wenn die städtischen Zuschüsse wegbrechen. Durch den Stärkungspakt ist die Stadt momentan nicht in der Lage, Angaben zur Zuschuss-Höhe machen. Das Angebot muss aber trotzdem bald gebucht werden.
„Damit wird es in der Saison 2012/13 wahrscheinlich kein neues Angebot der Kulturgemeinde geben“, teilte ihr Vorsitzender Dr. Gert Buhren den Mitgliedern jetzt in einem Brief mit. Im Ernstfall könnten die Vorstandsmitglieder sonst persönlich in Regress genommen werden.
Zahlreiche Rückmeldungen
In der Geschäftsstelle der Kulturgemeinde gab es daraufhin schon zahlreiche Rückmeldungen: „Die Leute sind sauer“, sagt Geschäftsführerin Edelgard Bach. Neun Frauen aus Sprockhövel, die anlässlich der Vorstellungen schon seit vielen Jahren regelrechte Kulturausflüge nach Witten machen, wollen sich schriftlich darüber beschweren, „dass es ohne das Angebot im Saalbau künftig im ganzen EN-Kreis kein vernünftiges Theaterangebot mehr gibt.“
Bevor fatale Entscheidungen fallen, wünscht sich Buhren dringend mehr Zeit: „Wenn wir noch eine Zuschuss-Zusage bis zum ersten Halbjahr 2013 erhalten könnten, hätten wir eine Planungsgrundlage.“ Da andere Kulturanbieter wie Musikschule und Märkisches Museum noch planen können, sieht er auch beim Theater noch Freiraum für Entscheidungen.
Die Zeit drängt
Aktuell, so betont er, dränge die Zeit, weil bis Ende März die Verträge mit den Gastspieltheatern geschlossen sein müssen. Doch im Rahmen des Sanierungsplans im Stärkungspakt wird der städtische Haushalt mit Aussagen zur Kulturförderung erst im Mai/Juni verabschiedet. Heinz Bekemeier, der Vorsitzende der Volksbühne, plant in seinem Verein eine Unterschriftensammlung: „Die Theaterfreunde müssen jetzt ihre Stimme erheben.“
Eine Zusage für den städtischen Zuschuss an die Theatervereine bis 2013 halten Mitglieder fünf verschiedener Fraktionen aus dem Kulturforum für geboten. Sie haben sich in einem Brief an den Innenminister gewandt.
Brief an Innenminister
Annegret Skubich (SPD), Regina Kompernaß (CDU), Paul Wood (Grüne), Frank-Steffen Fröhlich (FDP) und Siegfried Nimsch (WBG) setzen sich darin dafür ein, das attraktive Angebot im Saalbau nicht voreilig zu zerschlagen. Sie sprechen von einem „Vertrauensschutz in der Übergangsphase“ bis zum Sanierungsplan. Es gebe durchaus die Chance, „Standards im Kulturbereich zu erhalten.“ Ohne das Theaterprogramm, so geben sie dem Minister zu bedenken, sei die Existenz des Saalbau bedroht.
Auch Bürgermeisterin Sonja Leidemann hat daraufhin dem Minister geschrieben und ihn gebeten, das Anliegen aus dem Kulturforum zu unterstützen. „Kommunalpolitischer Zündstoff“ könne so vermieden werden.
Dr. Gert Buhren, Vorsitzender Kulturgemeinde, wünscht sich Planungssicherheit bis 2013, damit sein Verein und die Volksbühne Kooperationsmodelle entwickeln können. Auch solche, die „unter einem verringertem Zuschuss funktionieren.“ Es wäre denkbar, dass beide Vereine ihre Schwerpunkte neu setzen.
Verringerte Vorstellungsanzahl
Dass die Kulturgemeinde nur noch Konzerte und Kindertheater präsentiere, und die Volksbühne sich aufs Schauspiel konzentriere. Buhren und Heinz Bekemeier befürworten den Zusammenschluss ihrer Vereine nicht: „Die Vielfalt der Kultur wäre dahin.“ Höchstens in der verringerten Zahl der Vorstellungen, so Buhren, liege eine Ersparnis.
Sollte es künftig tatsächlich keinen Zuschuss mehr geben, müsse die Kulturgemeinde über eine Auflösung nachdenken und ihren Kulturauftrag an die Stadt zurückgeben: „Dann müsste die Stadt selbst sehen, was sie noch auf die Beine stellen kann.“























