FC Inter Bochum oder wie man in drei Spielen 85 Gegentore kassiert
BOCHUM 0:8. 0:10. 0:14. Drei Spiele, 0:32 Tore. Es wäre eine böse Bilanz einer Fußballmannschaft, wie man sie sich mieser kaum vorstellen kann. Doch es ist noch viel schlimmer. FC Inter Bochum heißt der Fußball-Bezirksligist, der in dieser Saison nach drei Spielen 0:85 Tore hat. 0:32 Tore, das ist die Bilanz nach den ersten 45 Minuten.
Artikel aus diesem Ressort
- Fußball-Kreisliga A Turbulente Tage beim FSV
- Fußball-Stadtmeisterschaft Alle Titelträger seit 2001 in Bildern
- Fußball-Stadtmeisterschaft Sie haben abgestimmt: Annen und Heven sind die Favoriten
- Fußball-Stadtmeisterschaft Die Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Turnierstart
- Fußball-Testspiel Lob verleitet zum Leichtsinn – Herbede 2:2 im Test gegen WSV Borussia
Das wird vor allem dann klar, wenn man die Abstände der Gegentore berechnet. 85 Mal schepperte es in etwa 270 Minuten im eigenen Kasten - das ist beinahe alle drei Minuten. Alle 190 Sekunden genau.
Blickt man auf die Reaktionen im Verein, dann meint man, sich in einer anderen Welt zu befinden. Inters Vorsitzender Ömer Güngör gibt sich nämlich kämpferisch - auch nach der dritten Blamage. „Die Jungs wollen die Saison durchziehen. Mal sehen, wie es ausgeht.“
"Bald werden wieder alle Angst vor uns haben"
Nach dem 0:34 im zweiten Saisonspiel klang Güngör so: „Hattingen hatte eine eingespielte Truppe. Wir sind zwar viel gelaufen, haben die Bälle aber immer etwas zu schnell verloren.“ Und nach dem Auftakt-0:23: „Ich habe schon mit neuen Spielern gesprochen. Bald werden wieder alle Angst vor uns haben.“
Inter Bochum - die Lachnummer einer ganzen Fußballregion? „Wir sind trotzdem lustig“, sagte Güngör nach dem Saisonauftakt. Das ist sarkastisch - und zynisch gegenüber anderen Mannschaften. Dem Wittener Kreisligisten VfB Annen gegenüber zum Beispiel. Die Wittener lieferten sich mit Inter und Querenburg einen Dreikampf um die A-Liga-Meisterschaft. Inter setzte sich aber durch, hatte am Saisonende acht Zähler Vorsprung und eine sehr gute Bilanz mit nur vier Niederlagen.
Finanziell eine andere Liga
Weil der Verein mit Geld um sich warf und Spieler in Diensten hatte, die nicht nur qualitativ, sondern auch finanziell in eine andere Liga gehört hätten. Der FC Inter gründete sich 2003. 2006 stieg die Mannschaft von der C- in die B-Liga auf, 2007 von der B-Liga in die Kreisliga A. Und auch dort gelang 2008 der Durchmarsch. Man erkaufte sich Erfolg. Heute rächt sich das.
In der Sommerpause spielte der Mehrfach-Meister der vergangenen Jahre kurz mit dem Gedanken, den Aufstieg dem Tabellenzweiten VfB Annen zu überlassen. Dieser wäre finanziell und sportlich in der Lage gewesen, eine Bezirksliga-Elf aufzustellen. Die Bochumer nicht. Viel Unruhe herrschte im Vorfeld. Fast der komplette Kader kehrte dem FC Inter den Rücken.
Kein Trainer, keine Spieler mit Format
Auch Aufstiegstrainer Meinolf Mehls ging - vielleicht in weiser Voraussicht. Ein neuer Trainer wurde bis zum Saisonstart nicht gefunden und auch keine Spieler mit Bezirksliga-Format. Und doch zog man das Vorhaben, nicht anzutreten, schnell zurück und wagte den Versuch. Einen Versuch, der von vornherein zum Scheitern verurteilt war.
VfB Annens Trainer Jens Vogt beäugt die Ergebnisse seit Saisonbeginn mit viel Argwohn - aber ohne groß überrascht zu wirken. „Mit einem zweistelligen Ergebnis haben wir gerechnet. Diese Höhe ist aber schon lachhaft.“
"Bekanntlich lernt man aus Fehlern"
Jetzt tritt der FC Inter Bochum mit Spielern an, die vermutlich auch in der Kreisliga C ihre Probleme hätten. "Bekanntlich lernt man aus Fehlern. Das wollen wir auch tun“, sagte Ömer Güngör vor Saisonbeginn in Anspielung auf die finanziellen Verwerfungen des Vereins. Ob er aber auch aus 0:85 Toren nach drei Spielen lernt?























