Judo: Schloss im Burgenland bauen?
WITTEN. SU Annens Benjamin Behrla (100 kg) muss sich morgen - im übertragenen Sinne - im Burgenland ein Schloss bauen, will er den Schlüssel für den Olympia-Eintritt in London noch ergreifen. Beim Weltcup in Oberwart/Österreich zählt für ihn nur eine Medaille.
Benjamin Behrla (weiß) will in Oberwart oben auf bleiben und punkten. (Foto: Bock)
Das macht sein Landes- und Vereinstrainer Andreas Reeh unmissverständlich deutlich: "Eine Medaille ist ebenso Pflicht wie eine bessere Platzierung als Peters." Behrlas nationaler Widersacher Dimitri Peters (TuS Rotenburg) siegte vor zwei Wochen in Tiflis und war auch in Paris einen Hauch erfolgreicher als der gebürtige Emsdettener.
In der georgischen Hauptstadt schied Annens zweifacher EM-Dritter in der ersten Runde sang- und klanglos aus. "Da stand er völlig neben sich", zeigte sich Reeh entsetzt. In Paris verletzte sich der Wahl-Kölner indes im ersten, gut begonnenen Kampf an der Rippe und verlor gleichfalls zum Auftakt.
Augen zu und durch
Jetzt heißt es in Oberwart "Augen zu und durch", wie es der erfahrene Coach ausdrückt. Und das ist wörtlich zu nehmen. Aufgrund der Rippenverletzung, die bei jeder Bewegung starke Schmerzen verursacht, helfen nur zwei Sachen: "Spritzen und die Schmerzen im Kopf ausschalten." Letzteres ist leichter gesagt als getan, doch: "Am Donnerstagmorgen hat er so schmerzfrei trainiert", sagt Reeh und hofft: "Dass es am Sonntag irgendwie geht und er gut punktet."
Viele Zähler greift der Olympia-Neunte von Peking 2008 aber nur dann ab, wenn er unter die besten drei kommt. Ferner sollte Peters idealerweise nicht vor ihm stehen, so dass Behrla tatsächlich Boden gut macht.
Starke Konkurrenz
Und das gilt nicht nur für den bestens besetzten Weltcup an diesem Wochenende, für den in der 100 kg-Klasse auch der amtierende Olympia-Sieger Tuvshinbayar Naidan (Mongolei) und der Brasilianer Luciano Correa, Weltmeister 2007 und Grand-Slam-Sieger 2010 in Moskau, gemeldet haben, sondern auch für den Grand Prix eine Woche später in Düsseldorf.
Obwohl in Österreich nur eine Veranstaltung der dritten Welt-Kategorie stattfindet, wird es immens schwer, dort zu punkten. "Die starken Teams aus Übersee bleiben nach Paris hier und nehmen alles mit, was sie kriegen können", erläutert Andreas Reeh. Das heißt im Klartext: Auch im Burgenland ist bei fast vollständig anwesender Weltklasse ein Schloss zu bauen verdammt schwer. Erst recht, wenn man verletzt ist.























