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Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland steht am 11.10.2010 auf einem Marktplatz in Duisburg-Rheinhausen: Gegner hatten ihn mit Ketchup bespritzt. (Foto: Andreas Probst, dpa)
Die Trauerfeier für die 21 Toten der Duisburger Loveparade fand am 24. Juli, dem Jahrestag der Katastrophe, ohne Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) statt. Die Angehörigen wollten ihn nicht dabei haben. An diesem Montag dürfte der 56-Jährige schon von sich aus den Wunsch hegen, einen Bogen um sein Rathaus zu machen.
Initiative reicht Unterschriften ein
Dann will die Initiative „Neuanfang für Duisburg“ Zehntausende Unterschriften zur Einleitung eines Abwahlverfahrens einreichen. Ziel der Initiative ist es, die Bürger Duisburgs im nächsten Jahr an die Wahlurnen zu rufen.
Sauerland klebt am OB-Stuhl
55.000 gültige Stimmen braucht die Bürgerinitiative, damit der Stadtrat das Verfahren einleitet. Im schlimmsten Fall für Sauerland wird er im März sein Amt los sein. Eine erste Attacke hatte er im vergangenen Jahr parieren können. Dank der Unterstützung seiner Parteifreunde im Rat kam eine Zweidrittelmehrheit für seine Abwahl nicht zustande.
Keine Verantwortung übernommen
Die politische Verantwortung für die Loveparade-Katastrophe hatte er nie übernommen. Dabei stehen - anders als er selbst - führende Mitarbeiter der Verwaltung im Mittelpunkt der Ermittlungen. Er könne besser bei der Aufklärung helfen, wenn er im Amt bleibe, hatte Sauerland immer gesagt.
Sauerland: Haben keine Fehler gemacht
Fehler weist er weit von sich. Die habe er nicht gemacht, auch nicht seine Mitarbeiter. Er verweist auf ein Gutachten, das er selbst in Auftrag gegeben hat. Danach habe die Stadt bei der Genehmigung der Loveparade, die aus Sicht vieler Experten niemals in dieser Form hätte stattfinden dürfen, keine Fehler gemacht. Im Juli 2010 war es am einzigen Ein- und Ausgang an einem Tunnel im Gedränge zur Massenpanik gekommen. 21 Menschen starben, Hunderte wurden verletzt. Dass Sauerland als Stadtoberhaupt keine Konsequenzen zog, nehmen ihm bis heute viele Menschen übel, vor allem die Angehörigen der Opfer.
60.000 Unterschriften für Abwahl
Die Anti-Sauerland-Initiative ist jetzt überzeugt, das Stadtoberhaupt loswerden zu können. „Wir sind bei weit über 60.000 Unterschriften“, sagt Theo Steegmann, einer der drei Initiatoren. Das würde völlig reichen. Aber die Möglichkeit besteht, dass reihenweise Unterschriften nicht anerkannt werden, weil beispielsweise die Hausnummer bei den persönlichen Angaben zu den Unterschriften fehlt.
Die Initiative ist aber sicher, dass genügend gültige Unterschriften gesammelt sind. Bei 55.000 müsste am 12. Dezember im Rat ein Abwahlverfahren eingeleitet werden. An diesem Montag soll sich das Gremium auf Antrag von SPD und Linken schon einmal mit den Regularien befassen. Da geht es zum Beispiel darum, ob Briefwahl zugelassen wird und alle Wahllokale geöffnet werden - für die Sauerland-Gegner wichtige Punkte im Stimmenkampf.
Abwahl vor Ostern?
Der Wahltag selbst könnte noch vor Ostern kommen. Um den OB aus dem Amt zu kippen, müsste sich die Mehrheit der Bürger, die sich an der Abstimmung beteiligen, gegen Sauerland stellen. Außerdem muss diese Mehrheit mindestens ein Viertel der Wahlberechtigten ausmachen. Das wären etwa 92.000 Stimmen - ein hoher Wert auch aus Sicht der Bürgerbewegung. Kämen sie zusammen, gäbe es Neuwahlen für das Oberbürgermeisteramt.