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Medienhaus Lensing
02.02.2012 16:38 Uhr
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Welt schaut fassungslos nach Ägypten

Kairo (dpa) Wut, Entsetzen, Fassungslosigkeit: Die Gewaltexzesse nach einem Fußballspiel in Ägypten mit 71 Toten haben weltweit Fußballfans, Funktionäre und Politiker schockiert. FIFA-Präsident Sepp Blatter sprach von einem schwarzen Tag für den Fußball.

«Wir müssen sicherstellen, dass sich solch eine Katastrophe nie mehr wiederholt», schrieb Blatter am Donnerstag in einem offenen Brief. «Afrikas Fußball ist in Trauer», kommentierte der Präsident des afrikanischen Fußballverbandes CAF, Issa Hayatou, die Tragödie von Port Said.

Nach dem Abpfiff des Spiels, das die Heimmannschaft Al-Masri gegen den Traditionsclub Al-Ahli aus Kairo 3:1 gewonnen hatte, machten Zuschauer regelrecht Jagd auf Ahli-Spieler und Fans. Die französische Sportzeitung «L'Équipe» titelte: «Krieg in einem Stadion». Ähnlich äußerten sich auch andere Zeitungen: «Horror im Stadion» (Tuttosport), «Ägyptischer Horror» (Daily Telegraph), «Barbarei in Ägypten» (Marca), «In Ägypten fließt das Blut auch im Fußball» (El País).

Für die Spieler und Clubverantwortlichen ist eine Welt zusammengebrochen. Im ersten Schock kündigte Torhüter Scharif Ikrami an: «Es ist vorbei. Wir haben alle eine Entscheidung getroffen, dass wir nie wieder Fußball spielen werden», sagte er dem Fernsehsender ONTV nach einem Bericht von «Bild.de».

Mohamed Zidan vom Fußball-Bundesligisten FSV Mainz 05 hat selbst schon in Port Said gespielt. Der einzige Ägypter in der Bundesliga trauert um die Opfer. «Die Nachrichten und Bilder aus meiner Heimatstadt Port Said schockieren mich, sie machen mich sehr betroffen», sagte der 30-Jährige.

Als Trainer haben sich in der über hundertjährigen Clubgeschichte von Al-Ahli auch der 100-fache DDR-Auswahlspieler Hans-Jürgen «Dixie» Dörner und der ehemalige FC-Bayern-Profi Rainer Zobel verewigt. «Es war ein Schock, es war deprimierend», sagte Zobel der Nachrichtenagentur dpa. «Die Krawalle haben eine neue Dimension erreicht. Dass diese innerhalb des Stadions stattfanden, ist für mich neu.»

Dörner sieht einen großen Schaden für das fußballverrückte Ägypten: «Das ist natürlich für den ägyptischen Fußball, für das ägyptische Volk, für das ägyptische Land eine Riesen-Niederlage.» Der 61-Jährige erinnert sich an Ausschreitungen. Er sei zwar regelmäßig mit Armee-Eskorte zu Spielen gefahren, aber er habe mitten in Kairo gelebt und sich dort nie bedroht gefühlt.

Nach der Tragödie trägt sich der aus Brasilien stammende Ahli-Stürmer Fábio Júnior mit Abwanderungsgedanken. «Ich hatte mich für hier entschieden, weil ich an die Zukunft meiner Familie dachte. Aber mit dieser Gewalt kann man nicht leben», sagte der 29-Jährige dem Sender «SportTV News».

Der Präsident der portugiesischen Profiliga LPFP, Mário Figueiredo, forderte, die höchsten Vertreter des Fußballs sowohl in Ägypten als auch weltweit müssten nun die «Grundwerte des Fußballs und des Sports hervorheben: Respekt, Loyalität und auch den olympischen Geist».

Zwar löste Ägyptens amtierender Ministerpräsident Kamal el-Gansuri am Donnerstag den Fußballverband auf und entließ den Gouverneur von Port Said. Aber damit dürfte es nicht getan sein. Die EU-Chefdiplomatin Catherine Ashton verlangte beispielsweise eine unabhängige Untersuchung. «Die Ereignisse im Stadion sind absolut inakzeptabel.»



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