Hintergründe und Rückblick
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Berlin Lieber einmal mehr warnen als einmal zu wenig: Niedersachsens Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU) hat Kritik an der Sprossen-Warnung seines Ministeriums erneut zurückgewiesen. Am Mittwoch wurde nun bekannt, dass in einer Mülltonne einer an EHEC erkrankten Familie in Magdeburg der gefährliche Keim wieder an einem Gurkenrest nachgewiesen wurde.
Mitarbeiter in Schutzanzügen in einer Isolierstation. Noch kann in Sachen EHEC keine Entwarnung gegeben werden.
Ob dies zum Ursprung der Infektionswelle mit inzwischen mindestens 25 Toten führt, ist aber bislang unklar. Auch welche Bedeutung die entdeckten Keimspuren haben, ist fraglich. «Aus diesem Fund können keine Rückschlüsse gezogen werden», sagte eine Sprecherin des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit dem «Tagesspiegel». Man wisse nicht, ob der Erreger vorher auf der Gurke war oder erst über den Müll auf das Gemüse gelangte.
Niedersachsens Landwirtschaftsminister Gert Lindemann hält ein verstärktes Eingreifen der Europäischen Union bei der Bewältigung des EHEC-Ausbruchs nicht für notwendig. Die EU war von Beginn an involviert und kann auch nicht mehr tun, als auf Ergebnisse warten», sagte Lindemann der «Bild»-Zeitung.
EU stärkt deutschen Behörden den Rücken
EU-Gesundheitskommissar John Dalli stärkte den deutschen Behörden den Rücken: «Wir sollten jetzt nicht über das Krisenmanagement streiten, sondern erst einmal die Krise bewältigen», sagte Dalli der «Passauer Neuen Presse». Er habe den Eindruck, dass die zuständigen Minister in Deutschland daran hart arbeiteten.
Die unter der EHEC-Krise leidenden Gemüsebauern sollen nach dem Willen der EU-Kommission deutlich höher entschädigt werden als geplant. Für Umsatzeinbußen sollen die europäischen Landwirte 210 Millionen Euro statt der zunächst vorgeschlagenen 150 Millionen Euro erhalten. «Das Geld wird bis Juli bereitstehen», sagte Agrarkommissar Dacian Ciolos am Mittwoch in Brüssel. Die EU-Staaten müssen dem Vorschlag noch zustimmen. Eine nochmalige Aufstockung schloss Ciolos nicht aus.
Weitere Kritik am Krisenmanagement
Die Kritik am Krisenmanagement der schwarz-gelben Bundesregierung reißt unterdessen nicht ab: Die stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Bärbel Höhn, warf Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) Versäumnisse bei der Information der Bevölkerung über die Gefahr von EHEC vor. «Ich verstehe nicht, warum Aigner noch am 25. Mai gesagt hat: Niemand muss auf Gemüse verzichten. Dabei war schon seit dem 21. Mai bekannt, dass Tomaten, Gurken und Salat unter dem Verdacht stehen, dass sie die Ursache für den EHEC-Ausbruch sind», sagte Höhn der «Rheinischen Post». «Entweder hat Frau Aigner von dem Verdacht nicht gewusst. Dann war das Krisenmanagement schlecht, oder sie hat den Verdacht ignoriert.»
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