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München (dpa) Aufrufe zu Solidarität und einem kirchlichem Neuanfang zum Abschluss: Der 2. Ökumenische Kirchentag ist in München mit einem großen Gottesdienst unter freiem Himmel zu Ende gegangen.
Mehr als 100.000 Gläubige kamen zum 2. Ökumenischen Kirchentag in München.
«Autorität und Glaubwürdigkeit erwächst aus unserem Handeln. Lasst uns gemeinsam einen neuen Aufbruch wagen!», rief der evangelische Kirchentagspräsident Eckhard Nagel den rund 100 000 Menschen auf der Theresienwiese zu. Die Christen müssten ihre Verantwortung für die Welt gemeinsam wahrnehmen. Sein katholischer Amtskollege Alois Glück wandte sich gegen Resignation angesichts der «schweren Vertrauenskrise» durch die Missbrauchsskandale.
Er hoffe, dass diese Krise zu einer neuen partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Laien, Priestern und Bischöfen führe. Die Laien wollten ihren Beitragen dazu leisten. Bereits am Vortag hatte Glück Bilanz gezogen: Das Missbrauchsthema sei in vielen Veranstaltungen auf dem Kirchentag präsent gewesen. «Wir haben uns unserer Verantwortung in dieser Sache gestellt.»
Die deutschen Bischöfe wollen eine Steuerungsgruppe als eine Art «Denkfabrik» für die Erneuerung der Kirche gründen - dabei sollen auch brisante Themen wie das Zölibat nicht ausgespart werden, berichtete «Der Spiegel». Robert Zollitsch, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz bestätigte, dass es Planungen für eine Gruppe gebe. Anlass ist der bevorstehende 50. Jahrestag des 2. Vatikanischen Konzils (1962-1965).
Nagel bezeichnete den ÖKT als großen Erfolg. Die Ökumene in Deutschland habe «ein neues Gesicht bekommen». Glück mahnte mehr Tempo an. Er verwies auf das von Rom verweigerte gemeinsame Abendmahl. Insbesondere denke er an die konfessionsverschiedenen Ehen, sagte Glück. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, unterstrich die Sehnsucht nach einem gemeinsamen Abendmahl mit den Katholiken. Zollitsch mahnte zu Geduld, denn Fortschritte müssten theologisch sorgfältig vorbereitet sein. Mit einer Menschenkette demonstrierten katholische Reformgruppen am Samstagabend für ein gemeinsames Abendmahl. Knapp 2000 Menschen gaben einander die Hände.
Beim Schlussgottesdienst würdigte Zollitsch den Kirchentag als wichtigen Impulsgeber. Die Welt brauche Hoffnungszeichen christlichen Handelns. Auch EKD-Ratsvorsitzender Schneider hob die Bedeutung christlichen Engagements für eine gerechte Welt hervor. Allerdings mischten sich die Christen oftmals zu zaghaft und kleinlaut in die politischen und gesellschaftlichen Diskussionen ein.
Das Treffen unter dem biblischen Leitwort «Damit ihr Hoffnung habt» war am Mittwoch eröffnet worden. An den rund 3000 Veranstaltungen nahmen nach Angaben der Veranstalter mehr als eine halbe Million Menschen teil, darunter rund 130 000 Dauergäste. Star des Treffens war die evangelische Pastorin Margot Käßmann. Die 51- Jährige, die nach einer Trunkenheitsfahrt im Februar ihre Ämter als Landesbischöfin in Hannover und EKD-Ratsvorsitzende niedergelegt hatte, trat in München erstmals wieder öffentlich auf.
Zu den politischen Höhepunkten gehörten Auftritte von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und zahlreichen Bundesministern. Ein letztes musikalisches Highlight war am Samstagabend ein Konzert mit der Sängerin Nena, die 15 000 Menschen begeisterte.
ÖKT-Veranstalter sind die beiden großen Laienorganisationen, das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und der Deutsche Evangelische Kirchentag (DEKT). Nagel und Glück äußerten die Erwartung, dass es 2017 ein Folgetreffen geben wird. Der 1. Ökumenische Kirchentag hatte 2003 in Berlin stattgefunden.
ÖKT-Programm: http://dpaq.de/0YX5m
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