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Amüsante Pop- und Polit-Clowneske mit Harald Schmidt
Von Kai-Uwe Brinkmann am 18. Mai 2008 17:50 Uhr
RECKLINGHAUSEN Wie er da im Smoking vor den Lametta-Vorhang tritt, sieht Harald Schmidt nach seinem Namensvetter Juhnke aus. Nur singen kann er nicht. Seine Stärke ist der Wadenbeißer von Conférencier, der in teutonischem Englisch und breitem Schwäbisch den Zeitgeist von 1977 verbellt.

Entertainer Harald Schmidt bei seinem Gastspiel in Recklinghausen.
Foto: Graeter
„Elvis lebt und Schmidt kann es beweisen“ heißt seine satirische Lieder-Revue. Eine durchweg amüsante Pop- und Polit-Clowneske, mit der Schmidt den Promi-Glanz der Ruhrfestspiele verstärkte.
Fürs Musikalische zuständig: ein Trio, ein Chor und ein Elvis-Double. Die sind kostümiert mit Perücke und Schlaghose, spielen Presley, verhöhnen Schlagerfuzzies und Liedermacher.

 Elvis-Imitator


1977 – was für ein Jahr. Elvis stirbt, „Deutscher Herbst“, das BKA fahndet nach den Resten der Baader/Meinhof-Gruppe. Claus Peymann lässt in Stuttgart Brecht-Abende spielen, sammelt Geld für Gudrun Ensslins Zahnersatz und ehrt den „King“ mit einer Elvis-Show, Moderator: Peter Sattmann. An dessen Lippen hängt der Schauspielschüler Harald Schmidt. Satte 14 Mal besucht er die Vorstellung.


„Ich war geprägt von der Black Panther-Bewegung, war Sektionsleiter für Nürtingen“, witzelt Schmidt. Solidarität mit der RAF? Damals ein Muss. „Sagen Sie, Sie hätten bis zum Kaufhausbrand mit ihr sympathisiert. Dann sind Sie auf der sicheren Seite!“ In Peymanns „knallhartem Agittheater“ war jeden Abend Revolution. Plötzlich, hinein in Schmidts geheuchelte Revoluzzer-Romantik, schmettert ein Elvis-Imitator „You Ain't Nothing But A Hounddog“.

Schmidt trampelt auf Biermann und Aust 'rum

Zurück zu Elvis: „In Tschörmäni hi met Priscilla. She was very minderjährig. Ju du sis in Antalya, ju go to Türkenknast!“ Dann galoppiert die Band (der Pianist mit breitem Django-Grinsen) durch „Kiss Me Quick“, „Tutti Frutti“, „Love Me Tender“ und „Muss I denn zum Städtele hinaus“.


Der Chor zertrampelt Ukelelen, Schmidt trampelt auf Wolf Biermann und Stefan Aust herum. O-Ton Aust: „Wer die RAF verstehen will, muss ‚Moby Dick' lesen.“ Höchste Zeit für ein RAF-Musical! Hitler muss dabei sein: Auftritt von Andi (Baader) und Adi. Der Führer schnarrt die Konsonanten, sein „Arrrm“ zittert wie in Eichingers „Der Untergang“. – Einer der flacheren Gags, doch der Saal lacht aus vollem Hals. 

 
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