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Hannover (dpa) Kriege und Schlachten bestimmen die «Herr der Ringe»-Trilogie, doch unter den Tolkien-Fans und -Forschern war das Thema bislang weitgehend tabu. Eine Tagung an der Leibniz Universität Hannover beschäftigt sich nun erstmals mit «Gewalt, Konflikt und Krieg» in den Werken des Briten.
Die Kämpfer von Gondor und Rohan ziehen in die Schlacht (Szenenfoto).
Der Mitbegründer der modernen Fantasy-Literatur (1892-1973) sei «kein Kriegstreiber oder Kriegsverherrlicher», sagte der Anglistikprofessor Rainer Emig im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Allerdings sei zu diskutieren, ob Krieg in den Werken zu blauäugig gesehen werde.
«Tolkien war durch den Krieg geprägt», erläuterte Emig. «Er hat im Ersten Weltkrieg selbst gekämpft. Viele Schlachten- und Zerstörungsbilder im "Herrn der Ringe" stammen offenbar direkt aus den Grabenkämpfen an der Westfront.» In seinen Texten vertrete er die Auffassung, dass Krieg notwendig sei und auch positive Ergebnisse mit sich bringen könne. In seinen Äußerungen außerhalb der Literatur habe der Autor sich zu dem Thema immer sehr bedeckt gehalten.
Es gebe aber auch pazifistische Alternativmodelle in J.R.R. Tolkiens Werk, betonte Emig. «Die Hobbits zum Beispiel kennen keinen Krieg, sie kommen aus einer friedliebenden Kultur.» Möglicherweise hätten die Hobbits allerdings lange Zeit nur friedlich gelebt, weil sie von außen beschützt wurden. Letztendlich zögen sie dann doch in den Krieg.
«Die fantastischen Welten haben sich durch ihre Medialisierung sehr weit verselbständigt», sagte Emig. Am Rande der Tagung sollten auch Online-Rollenspiele angesprochen werden, in denen für die Spieler am Computer eine kritische Distanz zu den Kämpfen und Schlachten kaum möglich sei. Insgesamt wurden zu der bis Samstag dauendern Tagung rund 100 Teilnehmer aus verschiedensten Disziplinen erwartet.
22. April 2012,
E-Werk Köln
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