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Medienhaus Lensing
17.05.2009 17:27 Uhr
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Mülheimer Theatertage: Auftakt mit Pollesch und Hübner

MÜLHEIM Liebe vergeht. Aber warum? Zwei Dramatiker haben zum Auftakt der Mülheimer Theatertage eine Antwort auf diese Frage gesucht: René Pollesch, der bereits zweimal den Preis des "Stücke"-Festivals gewonnen hat, und Mülheim-Novize Lutz Hübner, der erst jetzt zur Teilnahme eingeladen wurde, obwohl er seit Jahren einer der meistgespielten deutschen Autoren ist. Von unseren Autoren

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Wolf List (v.l.) als Harald, Peter Knaack als Johannes und Christian Erdmann als Pitt in "Geisterfahrer". (Foto: dpa)

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 Mit "Fantasma" warf Pollesch seine Diskursmaschine an und ließ das Ensemble des Wiener Akademietheaters mit den Stars Sophie Rois und Martin Wuttke die philosophischen Gedanken von Giorgio Agamben und Boris Groys verhandeln. Es geht um zwei Probleme, an denen sich die Schauspieler abarbeiten: Warum haben Chinas und die Sowjetunion den Kommunismus aufzugeben? Und: Warum liebst du mich nicht mehr?

Die Thesen werden gekonnt mit Leben gefüllt, Privates und Politisches auf äußerst amüsante Weise vermischt. Vor der Fassade einer Geisterbahn (Bühne: Bert Neumann) wird diskutiert und über einen Bildschirm gibt es einen Blick dahinter, wo Rois und Wuttke einen Mordfall lösen müssen. Wenn Rois am Ende "If it´s you" singt, fragt man sich, ob die Vorstellung von Liebe nicht besser ist als eine Beziehung in der Realität.

Auch "Geisterfahrer" von Lutz Hübner ließ uns lachen. Auf den ersten Blick ist das eine handfeste Komödie über die Krise in der Lebensmitte, auf den zweiten Blick ein Beziehungsreigen mit tragischem Bodensatz. Johannes und Miriam ziehen in eine Eigentumswohnung - ohne zu wissen, dass sich der Vorbesitzer als Geisterfahrer das Leben nahm. Die anderen beiden Paare im Haus haben die Neuen bald zum Fressen gern: Putzteufel Silke (brillant komisch: Rosa Enskat) will eine Freundin, ihr Mann Harald (schön verzweifelt: Wolf List) sucht bei Johannes deutlich mehr. Wer solche Nachbarn hat, braucht keine Feinde.

Die Generation 40 plus und ihr alltägliches Unglück

Treffsicher nimmt Hübner die Generation 40 plus auf Korn, zielt auf ihre Panik, ihr Geschwätz ("Männer altern schwerer"), ihr alltägliches Unglück in sich zersetzenden Ehen. Regisseurin Barbara Bürk treibt das Ensemble des Schauspiels Hannover in zum Glucksen komische Karikaturen. Doch das Stück wäre nicht so gut, käme nicht zum Schluss das Schicksal des Geisterfahrers aufs Tapet, den seine "guten Freunde" nicht gerettet hatten. Hübner entlässt uns mit der Frage: Wie hätten wir gehandelt?



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