Sehenswert
Theater in der Region
Welche Inszenierung Sie unbedingt gesehen haben müssen, auf einen Blick. mehr...
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Im Original heißt er "War Horse" (Kriegspferd), der deutsche Verleih titelt Steven Spielbergs neuen Film weniger martialisch "Gefährten". Vielleicht will man die Mädels nicht verschrecken, Pferde-Närrinnen, "Wendy"-Leser, "Black Beauty"-Fans.
Albert (Jeremy Irvine) steht treu zu dem Hengst, den er ausgebildet hat. (Foto: Walt Disney Studios )
Wer ein Herz für Tiere hat, ist nicht verkehrt in diesem Epos über ein stolzes Ross, das in den Ersten Weltkrieg zieht. Es galoppiert gegen die Deutschen, wird vor schwere Artillerie gespannt, liegt verletzt im Niemandsland zwischen den Schützengräben. Und findet knapp vor dem Gnadenschuss seinen Freund und Erstbesitzer wieder, den es am Pfeifton erkennt: "His Master's Voice", die Stimme seines Herrn, die das Tier vier Jahre nicht gehört hat.
Alles wird gut. Ein Märchen von Freundschaft, Trennung, Leid und Tod, mit einem überwältigend rührseligen Finale, das die Schwelle zum Kitsch überschreitet. Bei wem wäre der Stoff (nach einem Kinderbuch von Michael Morpurgo) besser aufgehoben als bei Hollywoods Märchenonkel Steven Spielberg?
Brücke zwischen E.T. und James Ryan
"Gefährten" schlägt eine Brücke von Spielbergs Tränentreiber "E.T." zu seinem Schlachtgemälde "Der Soldat James Ryan". Spielberg ist der Mann, der beides unter einen Hut kriegt: die kindliche Schwärmerei für Hoppe-hoppe-Reiter und das Gemetzel auf dem Schlachtfeld. "Gefährten" pendelt zwischen Idylle und Katastrophe, ist dabei immer groß orchestrierte Pferde-Oper, in der Spielberg gekonnt auf der Klaviatur der Emotionen spielt.
Ein Hengst als Held. Geboren wird Joey auf Englands grünen Weiden. Ein armer Farmer ersteigert ihn. Sein Sohn Albert (Jeremy Irvine) bildet den Hengst aus, muss aber erleben, dass der Vater seinen Liebling an die Armee verkauft.
Pferd wechselt die Fronten
Unter einem schneidigen Leutnant prescht Joey zur Attacke. Deutsche Maschinengewehre schießen die Kavallerie zusammen. Als Beutepferd wechselt der Hengst die Fronten. Ein fahnenflüchtiger Junge (David Kross) reitet ihn, ein Mädchen vergöttert ihn.
Irgendwann scheint Joeys letztes Stündlein zu schlagen. Verheddert im Stacheldraht wird die geschundene Kreatur zum Mahnmal gegen die Grausamkeit des Krieges. Kino mit dem Atem des Epischen, visuell eine Wucht. Störend nur, dass Spielberg bisweilen die Gäule durchgehen und er seinen Hang zu schwülstigem Pathos nicht im Zaum hat.
01. Juni 2012,
Konzerthaus Dortmund
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