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Medienhaus Lensing
03.06.2009 15:36 Uhr
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Mülheimer Theatertage: Elfriede Jelinek gewinnt Dramatikerpreis

MÜLHEIM Sie hat es schon zum dritten Mal geschafft. Elfriede Jelinek hat erneut den mit 15 000 Euro dotierten Mülheimer Dramatikerpreis gewonnen - diesmal für ihr Stück "Rechnitz (Der Würgengel)". Von Bettina Jäger

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Verlierer: Die »Kritische Masse« von Oliver Bukowski hatte bei dem Dramatiker-Wettbewerb keine Chance. (Foto: dpa)

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In dem Stück geht es um ein Massaker an 200 Juden, die am 25. März 1945 erschossen wurden - während eines Festes, zu dem eine Tochter Heinrich Thyssens auf ihr österreichisches Schloss eingeladen hatte.
"Gastgeberin der Hölle" hat der Autor David R. L. Lichtchfield diese Gräfin Batthany in einem Zeitungsartikel genannt - eine Frau, die an ihre Gäste Waffen ausgab, um die völlig entkräfteten Zwangsarbeiter umzubringen. 


Elfriede Jelinek, die menschenscheue österreichische Nobelpreisträgerin, beschreibt in ihrem Stück jedoch nicht das Verbrechen selbst, sondern das Verschweigen und Verdrängen nach dem Krieg - "Verleugnungsakrobatik" nannte Juror Franz Wille diese nur scheinbar heiteren Wortwechsel. Die Vergangenheit dauert fort in Jelineks 100-seitigen Textteppich, der von Jossi Wieler und dem Ensemble der Münchner Kammerspiel kongenial auch in Mülheim auf die Bühne gebracht worden war.

 Ganz einig war sich die fünfköpfige Jury, die sieben Stücke zu bewerten hatte und ihre Entscheidung in der Nacht zum Mittwoch um 1.05 Uhr traf, aber nicht. Juror Peter Carp, Intendant des Theaters Oberhausen, votierte für Roland Schimmelpfennigs "Hier und Jetzt". Der Publikumspreis ging an die Farce "Fantasma" von René Pollesch. 3300 Zuschauer waren in diesem Jahr nach Mülheim gekommen, sieben von zehn Abenden waren ausverkauft.

Oliver Bukowski hatte keine Chance bei der Jury 

Chancenlos blieb die "Kritische Masse" von Oliver Bukowski, zu sehen am letzten Abend des Festivals in der Uraufführungs-Inszenierung des Schauspielhauses Hamburg. Revolution machen oder lieber Würstchen grillen - dazwischen müssen sich 15 arme Schweine entscheiden. Nicht alle sind Proleten. Aber alle leben von Hartz IV. Bukowski denunziert dieses Trüppchen in Billig-Klamotten (Ausstattung: Magda Will) nicht.

Aber er streichelt sie auch nicht. Sie grillen und saufen, kopulieren und räsonieren. Regisseur Sebastian Nübling, der Teile des Textes munter ignoriert, lässt sie ihre Not skandieren wie einen antiken Chor. Auf der weichen Bühne verlieren die hervorragenden Darsteller, darunter Hedi Kriegeskotte und Juliane Koren, den Boden unter den Füßen. Doch die Revolution fällt aus.

 Eine treffsichere Beschreibung der Lage. Alles wird erwähnt (gerne auch mehrfach), alles ist dabei. Nur keine Handlung. Das machte den Abend so lang. Und dabei half nicht, dass Nübling flotte Sprüche eingefügt hat. Etwa: "Wo früher unsere Leber war, ist heute eine Minibar." Oder: "Der Kopf tut weh, die Füße stinken, höchste Zeit, einen Schnaps zu trinken." 



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