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Medienhaus Lensing
21.01.2010 16:50 Uhr
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Essener Lichtburg: Herta Müller gab sich Scheu bei ihrer Lesung

ESSEN Die Essener Lichtburg, Deutschlands größtes Lichtspielhaus, war am Mittwoch restlos ausverkauft. Voller Spannung warteten 1250 Besucher auf eine Lesung mit Nobelpreisträgerin Herta Müller. Von Markus Weckesser

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Herta Müller las in der Essener Lichtburg vor ausverkauften Plätzen. (Foto: dpa)

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Veranstaltet wurde die Lesung von der Buchhandlung Proust und der Literaturzeitschrift Schreibheft. Es war der Nachholtermin für die Lesung im Oktober, die wegen Erkrankung der Autorin ausgefallen war.

Wie ein scheues Reh stakste Herta Müller auf die Bühne. So viel Publikum ziehen ansonsten nur Popstars an. So viel Publikum schüchtert ein. Kaum hatte sie die Bühne betreten, nahm sie schnell an einem der beiden Tische Platz.

Ernst und unbewegt ließ Herta Müller die Pressefotografen ihre Arbeit verrichten. Auch Moderator Norbert Wehr verharrte emotionslos und wie festgeklebt auf seinem Stuhl. Anstatt die Autorin in ein lebhaftes Gespräch zu verwickeln, begnügte er sich mit wenigen Stichworten und kurzen Fragen.

Konzentrierte sich auf "Atemschaukel"

Ansonsten sprach Herta Müller. Für ihre Antworten benötigte sie mitunter sieben Minuten. Dabei konzentrierte sie sich beinahe ausschließlich auf den Roman "Atemschaukel" und dessen Entstehung. Weder ihre eigenen Diktaturerfahrungen noch der Rummel um den Nobelpreis kamen zur Sprache.

Das Buch Atemschaukel, aus dem die Autorin drei Kapitel vortrug, basiert auf den Erinnerungen des rumäniendeutschen Dichters Oskar Pastior, der als 15-Jähriger in ein russisches Arbeitslager deportiert wurde. Begonnen wurde das Projekt als Kooperation. "In seinem Kalender stand montags immer: Hertatag", erinnerte sich die Autorin.

Pastiors Gedicht als Toneinspielung

Während einer gemeinsamen Reise zu den ehemaligen Lagern habe der Freund unmäßig viel gegessen, was ansonsten nicht seine Art gewesen sei. "Als wolle er dem Lager zeigen, dass er überlebt hat", erklärte Herta Müller. Bilder der Reise wurden gezeigt und Pastiors Gedicht "Der Hungerengel II" war als Toneinspielung zu hören.

Nach knapp 100 Minuten verabschiedete sich Herta Müller. Als der Applaus des Publikums aufbrandete, wurde sie verlegen, dann huschte ein Lächeln über ihr Gesicht. Geschafft.



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