Medienhaus Lensing
25.02.2013 18:57 Uhr
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Im Kino: "3096 Tage": Familie spielen im Keller-Verließ

DORTMUND Dass beim Publikum Erwartungen bestehen, sogar Sensationslust, kann man nicht wegdiskutieren. Ein Fuchs wie Bernd Eichinger hat das im Kalkül, wenn er die Filmrechte an der Gescichte von Natascha Kampusch erwirbt. Auf Interesse stoßen muss ein Stoff allemal.Von Kai-Uwe Brinkmann

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Auf dem Schulweg wurde Natascha Kampusch von Wolfgang Priklopil (Thure Lindhardt) gepackt und entführt.  (Foto: Constantin )

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Nun hat der 2011 verstorbene Eichinger sein Drehbuch über Kampuschs Einkerkerung nicht vollendet, statt seiner ging Ruth Toma ans Werk.

Auf Grundlage ihres Skripts, in kargen, lichtarmen Bildern von Michael Ballhaus, inszeniert von Sherry Hormann („Wüstenblume“), ist „3096 Tage“ ein trocken nüchterner Film geworden.

Kein Horrorstück

Ein Protokoll. Kein reißerisches Horrorstück, keine Fahrt mit der Geisterbahn, Psychopath auf dem Nebensitz. Dass der Film unseren latenten Voyeurismus bediene, kann man nicht behaupten.

Hormann verkneift sich alle Mätzchen, mit denen üblicherweise Rührung und Abscheu geschürt werden: Es gibt keine Musik, die Emotionen schnauft (ab und an ein sparsames Piano), auch die Kamera beteiligt sich nicht an billiger Dämonisierung.

Penibler Spießer

Kampuschs Entführer Wolfgang Priklopil (Thure Lindhardt) trägt keine Horrorfratze, sondern das Durchschnittsgesicht eines Muttersöhnchens.


Ein penibler Spießer, der allein in Mamas Haus wohnt, von ihr bekocht und betüddelt wird. Kein Triebtäter, den es spontan zur Tat drängt, sondern ein gewissenhafter Planer, der monatelang am Gefängnis für sein Opfer arbeitet.

Kampusch im Mittelpunkt

Dieser Bubi schwingt sich zum Herrn und Meister auf. Macht, Kontrolle, Verfügbarkeit und Abhängigkeit will er auskosten. Ein Hauch von Küchenpsychologie liegt schon in der Luft, wenn der Peiniger „Gehorche! Gehorche“ Gehorche!“ ruft.

Wie dem auch sei: Im Zentrum steht nicht Priklopil, sondern Kampusch, als Kind von Amelia Pidgeon gespielt, bevor Antonia Campbell-Hughes übernimmt.

Perverse Scharade

 Die überzeugt als eine abgemagerte Haussklavin, die mentale Kraft und Zähigkeit beweist. Sie lässt sich ein auf die Logik des Entführers, wirkt mit in einer perversen Scharade (wir spielen Familie), die acht Jahre dauert.

Sieht man „3096 Tage“ als eine Geschichte vom Überleben und von Überlebenstechniken, wird ein stimmiges Bild daraus.
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