Sehenswert
Theater in der Region
Welche Inszenierung Sie unbedingt gesehen haben müssen, auf einen Blick. mehr...
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DUISBURG Ein Mann tanzt. Er tanzt an einem einsamen Strand, in einer vollen Badewanne, vor einem Rattanstuhl. Es ist der fröhliche, gliederzuckende Narzissmus einer Szene, die seit der Loveparade-Katastrophe in Duisburg irgendwie ihre Unschuld verloren hat.
Im Wohnzimmer, in der Badewanne, am Strand: Stefan Hoderlein beim Tanz mit sich selbst. (Foto Bärwald)
"So darf die Loveparade nicht zu Ende gehen. Es muss weitergehen", dachte sich Künstler Stefan Hoderlein und zog seine eigentlich für 2011 geplante Installation im Lehmbruck-Museum vor, nur sechs Wochen nach dem Unglück, bei dem 21 Menschen starben.
Mit "1989-2010 - Home is where the heart is" will Museumsleiter Raimund Stecker künstlerisch auf die Tragödie reagieren und hat dafür eine 30 Meter lange Wand im Untergeschoss des Museums freigeräumt.
In 60 Einzelfilmen erscheint Hoderlein selbst, bewegt sich in einer tänzerischen Endlosschleife, wiederholt die "beeindruckendste Erfahrung seines Lebens", wie er sagt, seine erste Rave-Party (damals hieß die Musik noch Acid-House) am 24.6.1989.
Dumpfe Techno-Beats
Nun ist Hoderlein 50, und er geht immer noch gerne auf Rave-Partys. Bei der letzten Loveparade war er nicht dabei, "weil schon ab 14 Uhr keine Züge mehr fuhren", und hatte mehr Glück als er damals ahnte.
Es ist ein seltsamer Ort, in dem die flackernde und von dumpfen Techno-Beats unterlegte Installation zu sehen ist, ein Durchgangsraum, der nur über Treppen erreichbar ist und Assoziationen an einen Tunnel weckt.
Hoderlein filmt sich seit nunmehr 20 Jahren, im amateurhaften Youtube-Stil. Er wird mal dicker, mal dünner, seine Haare wachsen von kurz zu lang, eine Art filmische Biografie. Es begann, so erzählt der Paik- und Becher-Schüler, als er aus einem Club nach Hause kam und "nicht wollte, dass die Party endet".
Ruck-Zuck-Tanz
Er ist begeistert vom Gemeinschaftserleben, dass quer durch alle Altersstufen und Schichten ginge. Vom Massenrausch Rave sind die Schnipsel jedoch weit entfernt - trotz der 60-fachen Vermehrung ist er stets allein beim Ruck-Zuck-Tanz. Das Video, in dem Hoderlein aus dem Bild geht und nur eine schwarze Wand hinterlässt, bekommt nach dem 24. Juli eine nahezu unheilvolle Bedeutung.
"1989-2010 - Home is where the heart is", Lehmbruck-Museum Duisburg, Düsseldorfer Straße 51, 4.9. bis Anfang 2011. Statt einer offiziellen Eröffnung findet am 26.9. ab 18 Uhr eine Party statt.
22. April 2012,
E-Werk Köln
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