Sehenswert
Theater in der Region
Welche Inszenierung Sie unbedingt gesehen haben müssen, auf einen Blick. mehr...
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MÜLHEIM Mit einer Mini-Einlage von Rimini Protokoll begannen am Sonntag die 33. Mülheimer Theatertage "Stücke". Die Preisträger des letzten Jahres, Helgard Haug und Daniel Wetzel, ließen eine Szene aus ihrem Gewinner-Stück "Karl Marx: Das Kapital, Erster Band" spielen und sorgten für eine Überraschung.
Vor zwei Monaten noch im Gefängnis, jetzt auf der Bühne: Jürgen Harksen. (Foto: Archiv)
Die Hölle ist überall
Fritz Katers "Heaven (zu tristan)" eröffnete im Anschluss den Stückereigen. Als Regisseur Armin Petras hat er sein Werk als Koproduktion des Berliner Maxim Gorki Theaters und schauspielfrankfurt in Szene gesetzt. Wie schon in seinen bisherigen Stücken, geht es auch diesmal wieder um die Befindlichkeiten in der Ex-DDR. Kater/Petras zeigt die Zertrümmerung einer Lebenslandschaft und ihre Folgen. So setzt sich zu Beginn ein Plattenbau auf der Leinwand wieder zusammen, der am Ende dann doch einstürzt. Hoffnung gibt es in den schrumpfenden Städten des Ostens nicht mehr, die Hölle ist überall.
Hohe Spaßbaddichte
Trotz seines gewaltigen Wortwitzes legt sich eine bedrückende Stimmung über den dreistündigen Abend. Man sieht den Menschen beim Leiden zu. Denn der Spaß ist ihnen - trotz hoher Spaßbaddichte - vergangenen. Nicht verwunderlich, dass es reichlich Selbstmordkandidaten gibt. Da ist das Ehepaar, das nicht mehr gebraucht wird und nicht auf den Leichenwagen warten will. Helga (Susanne Böwe) hat die Tabletten als Geschenk einpacken lassen, das Peter Kurth als ihr Gatte wunderbar umständlich auspackt. Als er auch noch den Beipackzettel studieren will, reißt ihr die Geduld. Eine kleine Episode, die Aufschluss über ihr langes Eheleben gibt.
Das Tristan-Motiv
Simone (grandios: Fritzi Haberlandt) hingegen versucht es mit dem Freitod immer wieder aus Liebeskummer, denn "ihr" Robert (super: Ronald Kukulies) weilt in Amerika, kehrt später abgerissen zum Sterben zurück - hier klingt das Tristan-Motiv aus dem Stücktitel an.
Eine berührende Tragikomödie hat Kater/Petras mit seinem großartigen Team in Szene gesetzt.
22. April 2012,
E-Werk Köln
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