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Medienhaus Lensing
14.06.2009 13:31 Uhr
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Tanztheater Wuppertal: Uraufführung von Pina Bauschs Chile-Stück

WUPPERTAL Es muss sehr heiß gewesen sein in Chile, wo Pina Bauschs neues Stück entstand. Und knochentrocken war's wohl auch - so trocken, dass der weiße (Bühnen-)Boden Risse und gefährliche Spalten bekommt.Von Marieluise Jeitschko

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Szene aus dem neuen Stück von Choreografin Pina Bausch. (Foto: dpa)

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Die werden von den auf hochhackigen Pumps staksenden oder barfuß über die Fläche flitzenden Tänzerinnen und Tänzern aber ebenso wenig wahrgenommen wie die Gemeinheiten, die sich allzu oft hinter den vermeintlich liebevollen, fürsorglichen Zärtlichkeiten oder zumindest höflichen Nettigkeiten verbergen.

Unentwegt ist einer (oft Krauskopf Fernando Suels Mendoza) mit einer Wasserflasche da, um kühle Getränke in den kuriosesten Posen zu kredenzen, oder das Nass - nicht ganz ohne Schikane, versteht sich - einer Schönen (der rothaarigen Anna Wehsarg) als kalte Dusche über Kopf und Körper zu gießen.

Ein typisches Bausch-Stück ist es geworden mit wenigen Anspielungen auf das süd-amerikanische Gastland, aber wieder voller Häme und Trauer über die Sehnsucht nach Liebe und die Herzlosigkeit und Brutalitäten, die Menschen einander antun.

Viele Soli

Ein Stück - wie üblich bei der Uraufführung am Freitag im Wuppertaler Opernhaus noch titellos - mit berückenden Bildern, raffinierten Hebefiguren, sehr vielen Soli - besonders anrührend "Altmeister" Dominique Mercy und die zierliche Ditta Miranda Jasjfi, sehr eigenständig Ales Cucek, mit eminenter jugendlicher Ausstrahlung Morena Mascimento, herzzerreißend als winselnder "Hund" auf allen Vieren und an der Leine zerrend Tsai-Chin Yu.

Marion Cito entwarf wieder die eleganten Roben für die Damen. Peter Pabst lässt den Raum leer, ganz in schwarz mit weißem Parkett. Die Veränderungen sind minimal - hier und da der Versuch eines Anhebens der Rückwand, dann die Risse, glutrot oder düster manche Szenen in dem ansonsten hellen und so trügerisch heiter wirkenden Ambiente.

 Geküsst und gerungen

Erst im zweiten Teil wird ein weißer Vorhang vor den schwarzen Rückprospekt gezogen. Ein dramatisch stürzender und schäumender Wasserfall wird darauf projiziert, später schwarze Bäume völlig ohne Blätter - wie sie auch Liebespaare zwischen sich halten in der Umarmung. Es wird gelacht, gekichert, gestreichelt und geküsst. Aber kurz darauf fallen dieselben Menschen rabiat wie ein Rudel wilder Tiere übereinander her. Es wird gerungen und geschunden. Dominique Mercy zerrt und tritt Rainer Behr, Ditta Miranda Jasjfi wird wie ein erlegtes Wild verschleppt, Tsai-Chin Yu angekettet.

Erfreulich viele junge Gesichter und tänzerische Talente zeigen sich im Ensemble des Tanztheaters Wuppertal. Nicht neu war der (diesmal leider um eine glatte halbe Stunde) verspätete Beginn der Premiere. Neu - nach vielen, vielen Jahren - aber war ein lautes Buh mitten in den frenetischen Applaus am Schluss.

Termine: 16.-21.6.; Karten: Tel. (02 02) 5 69 44 44.



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